70-4 Alles, was Gott schuf, ist gut – 1Tim 4,4-5

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1Tim 4,4-5

1.     Exegese

1.1 Schreibe den Text ab und finde heraus wer handelt (evt. handeln soll) und Was Warum gemacht wird (werden soll)!

1.2 Beantworte folgende Fragen zum Text:

  • Lese die Verse im Zusammenhang! Um was geht es hier?
  • Beachte das Bindewort „denn“! 4
    • Mit welchen Gedanken verbindet es unsere Verse?
  • Was ist „alles, was Gott geschaffen hat“?
    • Hat Gott überhaupt alles geschaffen?
  • Beachte die Behauptung: „alles … ist gut“!
    • Wie ist sie zu verstehen?
    • Was meint Paulus damit?
  • Was ist unter „Danksagung“ zu verstehen?
    • Entscheide ich mit meinem Dankgebet, ob etwas gut oder schlecht ist?
  • Worauf beziehen sich die Worte: „nichts ist verwerflich“?
    • Was meint „verwerflich“?
    • Was empfangen wir im Laufe eines Tages von Gott?
  • Beachte das wiederholte Bindewort „denn“! 5
    • Was bedeutet „geheiligt“?
    • Wozu bzw. wem wird es geheiligt?
  • Was ist hier mit „es“ gemeint?
  • Wie geschieht Heiligung durch Wort und Gebet?
    • Warum sind Paulus Wort und Gebet in diesem Zusammenhang wichtig?
  • Gelten unsere Verse nur für den Bereich des Essens?
    • Wie ist es mit dem Bereich der Ehe und Familie (3a)?
    • Könnten diese Verse ein grundsätzliches Prinzip im Reich Gottes ausdrücken?
  • Was wollte Paulus dem Timotheus mit diesen Worten sagen?

1.3 Gliedere den Text in Abschnitte und gib Überschriften

1.4 Formuliere den Hauptgedanken des Textes in einem Satz!

Etwa so: Der Autor wollte seinen Lesern sagen, …

1.5 Verschiedene Vorschläge zum Text:

1.5.1     Für die Gliederung

1.5.2     Für den Hauptgedanken

hier

2       Homiletik

2.1 Wo trifft der Hauptgedanke des Textes das Leben meiner Gemeinde?

Formuliere ein Predigtziel als Satz!

2.2 Plane / gliedere einen Weg zu deinem Predigtziel!

2.3 Verschiedene Vorschläge zur Predigt:

hier

2.4 Sammle Beispiele, Zitate und Anwendungsideen:

  • Wie schon 1,6ff ist auch der Abschnitt 4,1ff gegen gnostische Verirrung gerichtet. In der grundsätzlichen Ehelosigkeit und in der Enthaltung von bestimmten Speisen spricht sich ein schöpfungsfremdes Denken aus. (Voigt)
  • Da das „denn“, mit dem unser Abschnitt beginnt, das Vorhergehende begründet, ist dieses als Hintergrund mitzusehen. (Voigt)
  • Dass diese Begründung sich zugleich auf die Ehe bezieht, sei angemerkt. (Voigt)
  • Das griech. Wort für „gut“ (4) meint im ethischen Gebrauch: „gut, tüchtig, ordentlich, recht“. (Voigt)
  • „Mit Danksagung empfangen“ (4): es dürfte einfach an das Dankgebet bei Tisch gedacht sein. (Voigt)
  • „Geheiligt“ (5) eigentlich „Gott übereignet“, so dass es Ihm gehört. (Voigt)
  • Im Eph und in den Pastoralbriefen tritt der Heiligungsbegriff in die Nähe des Reinheitsbegriffes, was ganz jüdisch empfunden ist. (Voigt)
  • Dreimal wird in den Versen 3-5 auf das Tischgebet verwiesen. (Voigt)
  • In Israel wurde Gott gepriesen, „der das Brot aus der Erde hervorgehen lässt“, „der die Frucht des Weinstocks schafft“. (Voigt)
  • Die Gnostiker, gegen deren Welt- und Lebensauffassung unser Text sich wendet, könnten kein Erntedankfest feiern. Für sie ist die geschaffene Welt das Nicht-sein-Sollende, das Gefängnis der aus dem Himmel stammenden Seelen, die stinkende Höhle, in der sie festgehalten werden, viel zu lange schon. Leibhaftes Leben ist nur dazu da, dass es zugrunde geht, und der Gnostiker tut, was er kann, um es seinerseits zugrunde zu richten. Dem dient entweder die harte Askese – oder eine der Selbstvernichtung dienende hemmungslose Zügellosigkeit (Libertinismus). (Voigt)
  • Hier dient Askese nicht dazu, dass man die Freiheit trainiert, sondern hier verneint sie geschaffenes Leben. (Voigt)
  • Es steht uns sehr schlecht an zu völlern, während ungezählte Menschen dem Hunger preisgegeben sind. Es sollte eine Solidarität des Fastens, mindestens der Mäßigung geben – bedrückend nur, dass wir es nicht fertigkriegen, die Brotschnitte, auf die wir verzichten, an den Menschen gelangen zu lassen, der sie bitternötig braucht. (Voigt)
  • Wir müssen wie die Gnostiker lernen, „Welt“ wirklich als „Schöpfung“ zu begreifen. (Voigt)
  • Erntefest oder Erntedankfest? Stellen wir beruhigt fest, dass unser Leben wieder einmal ein Jahr gesichert ist, oder empfinden wir, darüber hinaus, dass darin das Ja unseres Gottes zu Seiner Schöpfung liegt? Wenn uns erneut deutlich wird, was die Ernte mit dem großzügigen Schenken und geduldigen Erhalten Gottes zu tun hat, dann werden wir, was wir täglich genießen, mit neuen Augen ansehen, und wir werden anders damit umgehen. (Voigt)
  • Dank für die gute Gabe. … Es liegt in beidem, in „gut“ und in „Gabe“, eine wesentliche Sachaussage. (Voigt)
  • Bei den Menschen der Bibel wird fröhlich gegessen und getrunken. Jesus selbst hat offensichtlich weltoffen gelebt. Man hat Ihn „Fresser und Weinsäufer“ gescholten (Mt 11,19). (Voigt)
  • Jesus weiß wohl, dass das Leben mehr ist als die Speise (Mt 6,25) und dass gefüllte Scheunen das Eigentliche und Letzte nicht garantieren können (Lk 12,20f). Aber wir finden Ihn oft beim Gastmahl (Lk 14 = gesammelte Gastmahlsgeschichten), und wenn Er uns das Reich Gottes als „königliche Hochzeit“ schildert, dann lässt Er es uns genüsslich erleben, wie es aus der Küche nach Braten riecht (Mt 22,4). (Voigt)
  • Dass alle Kreatur (alles Geschaffene) gut ist, ist ein gewagter Satz. … In dieser Allgemeinheit kann er nicht als problemlos einsichtige Allerweltswahrheit vertreten werden, sondern nur als ein Glaubenssatz, der gegen eine Menge Wahrnehmungen und Erfahrungen durchgehalten werden muss. (Voigt)
  • Es ist zu bedenken, dass „gut“ nicht automatisch das sein kann, was uns Menschen angenehm ist. (Voigt)
  • Die Kreatur „ängstet“, „sehnt sich“, „harrt“: Schöpfungsglaube ist nur im Ganzen des christlichen Glaubens und Hoffens durchzuhalten. (Voigt)
  • Die Gnosis hat Richtiges gesehen, nur: Sie hat den Glauben an Gott, den Schöpfer, nicht gehabt und hat darum nicht entdeckt, wo unsere Welt ihr Woher und ihr Wohin hat. (Voigt)
  • Der Schöpfer und der Erlöser ist ein der derselbe Gott. Gott will die Welt (Ps 24,1). Er will auch unser Leben. (Voigt)
  • Ist unsere Welt überhaupt Gottes Schöpfung, sind die Dinge von denen wir leben, überhaupt Seine Gaben? Die Gnosis hat in beidem negativ geurteilt: Die Welt ist schlecht, und sie ist nicht Gottes Schöpfung. (Voigt)
  • Die Natur gibt nichts; sie bringt nur Früchte hervor, ohne zu bedenken, wem sie damit eine Freude macht. (Voigt)
  • Beim Menschen hätten wir uns zu bedanken, der im Rahmen natürlichen Geschehens und mit den von der Natur selbst bereitgestellten Mitteln das, wovon wir leben „produziert“. (Voigt)
  • Die Christliche Gemeinde wird über ihrem Dank an Gott den Dank an die Menschen hoffentlich nicht vergessen, die die nötige Arbeit geleistet haben. (Voigt)
  • Nur, auch menschliche Kraft und menschliches Können sind, vom Glauben an Gott den Schöpfer hergesehen, „Gabe“. Von Gott kommt alles. Gott wirkt nicht ohne Seine Kreaturen, sondern in ihnen und durch sie. Der Bauer, oder der Mann auf dem Mähdrescher wird, wenn er Gott entdeckt hat, also gläubig ist, sich selbst zugleich als Werkzeug und Empfänger des Gottessegens sehen. (Voigt)
  • Gabe: Wir haben es also nicht nur mit Dingen zu tun, an denen wir uns zu schaffen machen, sondern mit einem Geber, dem heute unser Dank gilt. Erntedank ist nur eine Variation der Gottesehrung. (Voigt)
  • Gott ist der Schöpfer auch in jedem Schlag meines Herzens und in jedem meiner Atemzüge. (Voigt)
  • Sind wir einfach einer in sich selbst bestehenden und funktionierenden, von niemanden bedachten und gesteuerten Natur mit ihren blinden Gesetzmäßigkeiten unterworfen, einem blinden Geschehen, zwar nachdenkbar, doch von niemandem vorbedacht, in Ordnung, aber von niemanden geordnet, voller Geschehen, aber von niemandem gesteuert – außer von uns selbst, soweit wir es können? (Voigt)
  • Wir haben es zuletzt alle mit Ihm zu tun. Darum unser Dank für die gute Gabe. (Voigt)
  • Der Text schränkt ein. Gut, also nicht verwerflich, ist, was wir mit Danksagung empfangen. (Voigt)
  • Es stellt sich die Frage: Was von den Dingen Welt – in unserem Fall Essen und Trinken – darf ich unbefangen als Gottes gute Schöpfungsgabe entgegennehmen? … Der Text stellt keine Liste auf. … Der Text gibt Freiheit, weckt Eigenverantwortung. Alles ist gut wofür man Gott dankt! (Voigt)
  • Diese Faustregel ist von so allgemeiner Gültigkeit, dass wir über das Erntedankfestthema weit hinausgeführt werden. (Voigt)
  • Man kann abends vor dem Einschlafen den ganzen Tag danach durchgehen: Wofür kann ich danken, wofür nicht? (Voigt)
  • Die Faustregel mag allzu dehnbar scheinen, und sie setzt in der Tat voraus, dass man mit Gott im Gespräch ist. … Dennoch, wo wir Gott missachten und Menschen geschädigt oder ihnen weh getan haben, wird uns in der Regel kein Dank möglich sein. (Voigt)
  • Wer dankt, lässt sich von Gott etwas schenken bzw. weiß, dass Gott ihn beschenkt hat. Und wer sich von Gott beschenken lässt, der glaubt (Röm 14,23). (Voigt)
  • „Verwerflich“ werden die Dinger der von Gott geschaffenen Welt nur dadurch, dass wir gottwidrig damit umgehen. … Das Gute wird verwerflich, wenn wir es missbrauchen. (Voigt)
  • „Essen und Trinken“ à „Fressen und Saufen“ – Ich bin es, der das Gute böse macht, indem ich es gottwidrig gebrauche. (Voigt)
  • Das Erntedankfest kann nicht begangen werden, ohne dass das Menschenmögliche geschieht für die Hungernden der Welt. (Voigt)
  • Der Text erwartet das wirkliche, faktische Danken. (Voigt)
  • Nach Paulus (Röm 1,21) ist Nichtdanken die Ursünde, deren wir alle schuldig sind. Gott gibt und wir nehmen es stumpf und stumm in Gebrauch, als müsste es so sein. (Voigt)
  • Für das, was ich verlangen kann, brauche ich mich nicht zu bedanken. Wer „danke“ sagt, bringt damit zum Ausdruck, dass er auf das Empfangene kein Recht hatte, es vielmehr bekommen hat, weil der andere, der Geber, ihm etwas zuliebe getan hat. (Voigt)
  • Sage ich „danke“, dann gebe ich zu erkennen: Ich hab es gemerkt, du meinst es gut mit mir, du hättest es nicht gemusst. (Voigt)
  • Gott müsste nicht. Er will. Nach allem, was Er mit der Menschenkreatur erlebt hat, könnte Er seine Hand zurückziehen. Er könnte 1Mo 8,22 anhalten und die Welt stillstehen lassen. Er tut und will das nicht! (Voigt)
  • Gewährte uns Gott nur das, wofür Er unsern Dank bekommt, es wäre längst um uns geschehen. (Voigt)
  • 1Mo 8,21 zeigt, dass Gott vom bösen Dichten und Trachten des menschlichen Herzens weiß und dennoch die Erde erhalten will. (Voigt)
  • Jede Ernte, ja, jede Mahlzeit ist ein Alltagswunder Gottes. (Voigt)
  • Gehören die Dinge, die auf den Tisch kommen, zum weltlichen, natürlichen Leben? Wieso brauchen sie einer Heiligung? (Voigt)
  • Von Gott sind alle Dinge und dabei ist es durch die Jahrtausende geblieben – wie sollte die Welt ohne ihren Schöpfer auch nur einen Tag existieren können? Aber dass sie wieder „für Ihn“ und „zu Ihm hin“ lebt, dass kann sich nicht anders vollziehen als im Glauben, und der Glaube wieder kommt aus dem Wort. So wird auch Essen und Trinken – wie alles andere in unserm Leben – geheiligt durch das Wort und Gebet. (Voigt)
  • Der Text veranlasst uns, mit der Gemeinde über das Tischgebet zu sprechen. (Voigt)
  • Das Tischgebet war ein wertvolles Erbteil jüdischer Sitte, mit dem es die älteste Christenheit sehr genau genommen hat. (Voigt)
  • Dass – bei unterschiedlichen Arbeitszeiten – die Familie vielfach nicht mehr gleichzeitig am Tisch zu finden ist, dürfte dem Verfall dieser Sitte gedient haben. Entwöhnung ist ein starkes Faktum. Ein Neubeginn erfordert viel Mut. (Voigt)
  • In Hauskreisen, bei Freizeiten und Gemeindetagen sind Chancen zum Neuanfang gegeben. (Voigt)
  • Die Sitte hat nur da Sinn, wo sie von Glaubenserkenntnis getragen wird oder aber, bei Kindern, auf Glaubenserkenntnis hin geübt wird. (Voigt)
  • Indem wir bewusst empfangen, was Er gibt, wird der Stromkreis, der uns mit Gott verbindet, geschlossen. (Voigt)
  • Ein Geschenk, das ich empfange hat einen Sachwert und einen Gebrauchswert, aber auch einen persönlichen Wert: der es mir übergab, wollte mir damit ein Stück von sich selbst geben und seine Verbundenheit mit mir bezeugen. Gott schenkt uns in der Gabe Seine Vaterliebe. (Voigt)

 

  • Wichtig ist, dass die Schöpfung nicht nur „vor dem Fall“ gut war, sondern sie ist noch jetzt gut und schön (kalos), wie die Speisen bzw. die Früchte der Erde, die gedeihen und jetzt mit freudigem Dank genossen werden können, gut sind. Ebenso gilt ja auch für den gefallenen Menschen noch immer, dass er im Bilde Gottes geschaffen ist. (Jak 3,9) Wer seine Herkunft verleugnet, wer das Urheberrecht Gottes über sein Leben und dessen Erhaltung durch das tägliche Brot leugnet, verweigert Gott den Dank und gibt sich selbst und seiner Tüchtigkeit die Gott entzogene Ehre (Rö 1,18-32). (Bürki)
  • Wer dem Schöpfer wieder danken kann, weil sein Herz aus der danklosen und gedankenlosen Selbstherrlichkeit erlöst worden ist, der wird befreit von den Tabus alter und neuer, religiöser und säkularer Art. (Bürki)
  • Diese frohe Botschaft von der in Christus aus allen Tabus befreiten Menschlichkeit darf nicht verschwiegen werden, auch wenn sie ständig von Missbrauch und Verkehrung ins Gegenteil bedroht ist. (Gal 5,1.13; 1 Tim 6,17) (Bürki)
  • Danksagung (eucharistia), durch die Wiederholung in V. 3 und 4 besonders betont, kann den Sinn haben von: dankbare Gesinnung hegen, Dankgebete sagen oder einfach beten und schließlich das Abendmahl feiern. (Bürki)
  • Im Dankgebet antwortet der Christ auf die Bitte um das tägliche Brot. Und aus dem Dank für die empfangene Güte soll er sich verpflichtet wissen und tätig einsetzen für diejenigen, die deshalb hungern müssen, weil die Ungerechtigkeit der Menschen ihnen das Brot vorenthält (1Joh 3,16.17). (Bürki)
  • Der Undankbare ist der Unnatürliche und Verkehrte. (Bürki)
  • Die christliche Ethik ist eine Ethik der Dankbarkeit. Alltag und Ruhetag, Schlafen und Wachen, Essen und Trinken, Leib und Geschlechtlichkeit können in der Dankbarkeit zu Gott empfangen, genossen und gefeiert werden. (Bürki)
  • Wenn nach katholischem Dogma Mann und Frau sich gegenseitig das Sakrament der Ehe spenden, so kommt darin zum Ausdruck, dass sie ihr Einswerden mit Danksagung zu Gott feiern, d. h. es ist zu seiner Ehre getan. (Bürki)
  • Die Frömmigkeit, die im Lobpreis des Menschgewordenen (3,16) ihren Ursprung und ihr Ziel hat, wächst und weitet sich aus im dankbaren Genießen alles Geschaffenen. (Bürki)
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