61-4 Die Zeit ist kurz, deshalb … – 1Kor 7,29-31

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1Kor 7,29-31

1.     Exegese

1.1 Schreibe den Text ab und finde heraus wer handelt (evt. handeln soll) und Was Warum gemacht wird (werden soll)!

1.2 Beantworte folgende Fragen zum Text:

  • Beachte das Bindewort „das“, worauf bezieht es sich? 29
    • Was ist das Thema dieses 7. Kapitels?
    • Beachte besonders V. 28!
  • Um welche Zeit geht es hier?
    • Im griechischen gibt es 2 Worte für Zeit: „Chronos“ „kairos“.
      Welches Wort wir hier gebraucht? à Lexikon
    • Was bedeutet es?
  • Was ist mit „kurz“ gemeint?
  • Beachte, dass hier „sollen“ und nicht „müssen“ steht! Warum?
  • Was bedeutet es „Frauen zu haben, als hätte man sie nicht“?
    • Was meint Paulus mit weinen, als weinte man nicht?
  • Wieso betrifft das auch die „Freude“ und die materiellen Dinge? 30
  • Wie kann man diese Welt gebrauchen? 31
    • Was ist damit gemeint?
  • Was ist das „Wesen der Welt“?
    • Was meint Paulus hier mit „vergehen“?
  • Von welcher Zeit schreibt Paulus dies alles?

1.3 Gliedere den Text in Abschnitte und gib Überschriften

1.4 Formuliere den Hauptgedanken des Textes in einem Satz!

Etwa so: Der Autor wollte seinen Lesern sagen, …

1.5 Verschiedene Vorschläge zum Text:

1.5.1     Für die Gliederung

1.5.2     Für den Hauptgedanken

hier

2       Homiletik

2.1 Wo trifft der Hauptgedanke des Textes das Leben meiner Gemeinde?

Formuliere ein Predigtziel als Satz!

2.2 Plane / gliedere einen Weg zu deinem Predigtziel!

2.3 Verschiedene Vorschläge zur Predigt:

hier

2.4 Sammle Beispiele, Zitate und Anwendungsideen:

  • Kapitel 7 antwortet auf eine der von einer Delegation (1,16f) überbrachten Anfrage der korinthischen Gemeinde (7,1; 8,1; 12,1). Nachdem Paulus sich in den Kapiteln 5 und 6 mit libertinischen Erscheinungen hat auseinandersetzen müssen, hat er es nun mit einer asketischen Richtung zu tun. Die Frage der Korinther muss gelautet haben: Ist Geschlechtsverkehr (überhaupt) erlaubt? (Voigt)
  • In unserem Abschnitt ist, ähnlich wie in 17-24, die Fragestellung ins Grundsätzliche ausgeweitet. (Voigt)
  • Das griech. Wort für „fortan“ (29) kann heißen: im Übrigen, außerdem, weiterhin, endlich, aber auch: hinfort, für die Zukunft. Letzteres würde bedeuten, dass der Eintritt der Endzeit die nunmehr zu besprechende Umstellung der Existenz erfordert. (Voigt)
  • „brauchen“ (31), auch benutzen, nutzen. (Voigt)
  • Das „Wesen der Welt“ (31) meint die Welt selbst (in ihrer derzeitigen Verfassung). (Voigt)
  • Der Text spricht von der „eschatologischen Existenz“ in der Spannung zwischen dem, was ist, und dem, was kommen wird, obwohl es bisher niemand sah. (Voigt)
  • Die Verfassung, in der unsere Welt sich gegenwärtig befindet, ist im Vergehen (31), es kommt nicht nur Neues, wie es im Rahmen unserer Welt und ihrer Entwicklung möglich und vielleicht nötig ist, es kommt das ganz Neue! (Voigt)
  • Nachdem wir – mit Ausnahme der Diakonissen – den Verzicht auf die Ehe und auch das Fasten den Katholiken überlassen haben, scheint uns in der Durchschnittsethik unserer Gemeinden Askese kaum mehr der Diskussion wert. (Voigt)
  • Lebt jemand enthaltsam – unverheiratet oder auch innerhalb der Ehe -, dann lediglich, weil es ihm schicksalshaft auferlegt wurde, nicht aber, indem er diese Lebensart wählt oder, wenn er sie nicht gewählt hat, auch darin eine „Gabe“ (7) und damit eine Chance sieht. (Voigt)
  • Die Haltung des Paulus ist uns fremd, weil für uns das Sein in Christus nicht mehr jene Ganzheit und Geschlossenheit, jenen Reichtum und jenen Glanz hat, der in den Augen des Paulus unser ganzes irdisches Los dagegen belanglos macht. (de Boor)
  • Wir kommen mit dem Denken des Apostels aber auch darum nicht zurecht, weil wir von der „Not“ und „Drangsal“ (28) nichts mehr wissen, die zum Christenleben in diesem argen Äon gehört, und weil wir vollends nicht mehr ahnen, welche Anforderungen die letzte Zeit an die Gemeinde Jesu stellen wird. (de Boor)
  • Den Rat zur Ehelosigkeit gibt Paulus nicht aus Missachtung der Ehe als solcher und aus einer Verdächtigung des geschlechtlichen Lebens, dessen Vollzug auch in der Ehe etwas „Sündliches“ wäre. Sein Gesichtspunkt ist ein völlig anderer: „Ich meinerseits aber möchte euch schonen.“ (28) (de Boor)
  • Hier steht das Wort „thlipsis“, das immer wieder das Leiden mannigfaltiger Art bezeichnet, das der an Jesus Glaubende um dieses seines Glaubens willen zu tragen hat und das in der Zeit vor der Wiederkunft Jesu seinen Höhepunkt erreicht. Dieses Leiden wird weit quälender, wenn man verheiratet ist und den Lebensgefährten mit davon betroffen sieht. (de Boor)
  • Auf der anderen Seite: So manches Lebensbild zeigt uns, wie Frauen im Mittragen der Drangsale und Nöte ihrer Männer dennoch in tieferem Sinn sehr glücklich waren und für ihren Mann unendlich viel bedeuteten. Paulus gibt bewusst nicht bindende Anordnungen, sondern sagt nur seine Meinung (25).
  • In 29 stellt Paulus seinen eschatologischen Blick ausdrücklich vor die sichere und satte Gemeinde hin. „Dieses aber sage ich, Brüder: die Zeit ist zusammengedrängt.“ Der knappe Satz ist schwer zu übersetzen. Wir haben nicht das besondere Wort für „Zeit“ als einer bestimmten entscheidungsvollen Zeit, wie es der Grieche im Wort „kairos“ im Unterschied von „chronos“, dem allgemeinen Zeitfluß, besaß. (de Boor)
  • „Chronos“ ist die „physikalische“, „kairos“ die „geschichtliche“ Zeit. (de Boor)
  • In dem Wort „zusammengedrängt“ liegt ein Zweifaches zugleich ausgedrückt. Dieser entscheidungsvolle Zeitraum ist nicht nur kurz, „verkürzt“, sondern auch die Entscheidungen drängen sich zusammen. Wir haben darum keine Zeit für Nebendinge, sondern müssen gesammelt auf das ausgerichtet sein, was diese Zeit fordert. (de Boor)
  • Es ist nicht nur eine „zusammengedrängte“, sondern auch eine „bedrängnisvolle“ Zeit, die nicht so harmlos leben lässt. (de Boor)
  • Darum müssen auch die Verheirateten eine ganz neue innere Haltung einnehmen: (de Boor)
  • Bei allem gespannten und sehnenden Warten auf den Tag des Herrn bleibt Paulus völlig nüchtern. Gerade darum weiß er auch, wie in diesem Warten und in den unvermeidbaren Leiden um Jesu willen alle diese Dinge wie Freude und Leid, Kauf und Erwerb, auch Ehe und menschliche Verbundenheit ihre Bedeutung verlieren, die sie für den natürlichen Menschen haben. (de Boor)
  • Man könnte es sich bildhaft etwa an den Stunden eines Schiffsunterganges Wie vieles wird jetzt unwichtig, was uns sonst lebhaft bewegte und uns sehr bedeutungsvoll erschien. Wie kommt es nur auf das eine an, mit entschlossenem Einsatz dieser Gefahr zu begegnen!
  • „Haben, als hätten wir nicht“ ist das genaue Gegenstück zu der Schilderung der Endzeit, wie sie der Herr Jesus selbst vom Bilde der alten Gerichtszeiten her entwirft: „Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden geheiratet, bis zu dem Tage … “ (Lk 17,27-29). (de Boor)
  • Unser Abschnitt ist eine tief einschneidende Frage an die Gemeinde von heute. Woran liegt es, dass diese Haltung an ihr kaum noch zu merken ist? Sind wir so sicher, dass diese Zeit nicht „zusammengedrängt“ ist? (de Boor)
  • „Denn es vergeht die Gestalt dieser Welt (31).“ Das ist ganz objektiv für jeden sichtbar. … Paulus meint es ganz positiv. Die ganze Art dieser Todeswelt geht vorüber, die Schöpfung erhält die neue Gestalt (Rö 8,19.21). Wer so positiv, so erwartungsvoll die ganze Vorläufigkeit der gegenwärtigen Weltgestalt sieht, der hat von da aus die Haltung, die Paulus beschreibt, dieses „Haben, als hätten wir nicht“. (de Boor)
  • So lebensbestimmend, so das ganze Christsein formend, ist die echte Eschatologie. (de Boor)
  • Christen sind mitten drin im Leben der Welt. (Voigt)
  • Der Christ lebt, wie immer er sein Leben führen mag, in der Welt, nicht in einem besonderen Raum jenseits oder abseits von ihr. (Voigt)
  • „Frauen haben“ (29) meint wirkliche, volle eheliche Gemeinschaft (3-5), und zwar mit gutem Gewissen, als eine vollgültige Weise christlicher Lebensführung. (Voigt)
  • Spricht Paulus vom „Kaufen“, dann meint er Teilhabe am Wirtschaftsleben, denkt an erworbenen Besitz. (Voigt)
  • Volles weltliches Leben, indem man „von der Welt gebraucht macht“ (31a), nicht sie räumt (5,10). Und die Beteiligung am Leben der Welt ist nicht bloß ein Anteilhaben an den äußeren Dingen und Abläufen, sondern vollzieht sich auch im Personenleben, bis in die Emotionen hinein (weinen, freuen). Der Christ steht nicht abseits. Er tut nicht so, als ginge ihn das alles, was das normale Leben ausmacht, nichts an. Der Christ lebt mitten in der Welt. (Voigt)
  • Der Christ weiß, dass die Uhr abläuft. Der christliche Glaube denkt eschatologisch. Er meint nicht etwa nur, dass das Evangelium so etwas ist wie das Schmieröl, das die Weltmaschine im Laufen hält. Das Evangelium sagt die neue, die kommende Welt an. (Voigt)
  • Die alte Welt steht auf der Abbruchliste wie ein baufälliges Haus. (Voigt)
  • Urchristliches Zeitbewusstsein ist von der Parusieerwartung bestimmt. Ein Irrtum der Urchristenheit? Ja, wenn man daran denkt, dass auch ein Paulus mit dem Kommen Christi und, damit mit dem Hereinbrechen der eschatologischen Katastrophe für sehr bald gerechnet hat. Nein, wenn man sich klarmacht, dass für die meisten der Menschen das unmittelbare Ansichtigwerden der Herrlichkeit des Herrn, also Seine Parusie, an der Todesgrenze geschieht (1Thess 4,15). (Voigt)
  • Doch, doch: die Uhr tickt – und läuft ab. Auch wenn unser Weltdasein noch Jahrzehnte währt: es geht auf sein Ende zu. „Die Zeit ist kurz“ (29), zusammengedrängt. Der Glaube wartet auf das Zukünftige nicht wie auf etwas Fernes. Der Glaube rechnet mit Jesu Kommen in jedem Augenblick. Der Glaube weiß von kommenden „Nöten“ und „Bedrängnissen“ (26.28), aber sie gehören nur zum Vorspiel. Der Glaube freut sich auf das Kommende, auf den Kommenden. Er bittet: „Komm Herr Jesu!“ (Voigt)
  • Gedrängte Zeit“ – d.h.: der einzelne Tag wird kostbar, die einzelnen Stunden werden kostbar. Sie werden vor der Horizontlinie des Letzten gelebt. (Voigt)
  • Was knapp ist, schätzt man umso mehr. (Voigt)
  • Ist die Welt auch vergänglich, so ist sie doch Gottes Welt. Die Menschen, mit denen und an denen wir arbeiten, sind Gottes Geschöpfe. (Voigt)
  • Der Christ, der aus der Rechtfertigung lebt und ein „Freigelassener des Herrn (22) ist, kann und wird sein Leben für Christus auch in der von Sünde gezeichneten und entstellten Welt leben. Ja, er wird es gerade dann können, wenn er weiß, dass diese Weltgestalt vergeht. (Voigt)
  • „Haben, als hätte man nicht“ (29). Jawohl wir „haben“. (Voigt)
  • Die Stärke der paulinischen Haltung ist: Die Entscheidung, die er – nach der „Gabe“, die gerade ihm gegeben ist – getroffen hat, kann und darf für andere kein Gesetz sein. Geschlechtliche Askese ist kein Heilsweg. (Voigt)
  • Man könnte in genauer Parallele zu Röm 14,17 den Satz bilden: Das Reich Gottes ist nicht Enthaltsamkeit oder Ehe, sondern Gerechtigkeit und Frieden und Freude im Heiligen Geist. (Voigt)
  • Was lässt Paulus dann immer noch dem ledigen Stande den Vorzug geben? Er denkt an die „anstehende Not“ und die „leiblichen Trübsale“ (26.28). Ich möchte euch gerne schonen (28). Ich möchte, dass ihr ohne Sorge seid (32). Wer immerzu an Weib und Kind denken muss, trägt an den apokalyptischen Bedrängnissen schwerer als der Ledige. (Voigt)
  • Es könnte schon sein, dass – auch in ruhigen, glücklichen Zeiten – die Gebundenheit ans irdische Glück einen daran hindert, seinem Herrn entgegenzusehen (32ff). Man ist dann leicht „geteilten Herzens“ (33). (Voigt)
  • Das Ganze des zeitlichen Lebens, so ernst es zu nehmen ist, ist ein Vorletztes. Es wird durch das Letzte abgelöst werden. (Voigt)
  • Man kann, wenn man um den Unterschied zwischen Vorletztem und Letztem weiß, nicht mehr alles Vertrauen auf das Vorletzte setzen. Man kann sich ihm also nicht so hingeben, als käme von da alles Heil. Man kann also im Vorletzten nicht mehr das Letzte sehen. Die Dinge der Welt bekommen Übergangscharakter. (Voigt)
  • Eine Ehe führen unter dem Vorzeichen „als hätte man keine“ würde nicht bedeuten, dass man keine Ehe führt, auch nicht, dass man sie halbherzig führt, wohl aber dass man sie zu den zeitlichen Dingen rechnet (Mt 22,30). Dies bedeutet nicht, dass Eheleute in der Vollendung weniger miteinander verbunden sein müssten als (bestenfalls) im zeitlichen Leben. Die Ehe gehört zum Vergehenden. (Voigt)
  • Das „Haben“ ist nur gesund, wenn in ihm das Verzichtenkönnen mitgesetzt ist. (Voigt)
  • „Kaufen als …“ (30)? Gewiss, wir dürfen und sollen kaufen. Wer kauft, reichert das Leben mit Gütern an. Es müssen nicht alle so arm sein wie Paulus. Er selbst müsste es auch nicht sein (Phil 4,12). (Voigt)
  • Kaufen, als besäße man nicht! Würde es einem wieder genommen: lass fahren dahin – es müsste uns nicht allzu weh tun. (Voigt)
  • Reich sind mitten in Armut, die die sagen können: Es wird auch so gehen. (Voigt)
  • Der Christ wird an aller Traurigkeit und Freude der anderen teilhaben und auch selbst traurig sein und sich freuen. Er wird sich dessen nicht schämen. Er gehört nicht zu den Leuten, die nichts erschüttert. Aber auch die Traurigkeit der Welt und ihre Freuden gehören zum Vergehenden (Voigt)
  • Im Weinen weiß der Christ um einen letzten, stichhaltigen Trost, und die irdische Freude wird überholt und überboten durch die letzte Freude, die uns niemand nehmen kann. (Voigt)
  • Wozu aber dieses Leben in der Spannung zwischen dem, was ist, und dem, was kommt? (Voigt)
  • Was wir unter den Bedingungen dieser Welt unter nüchterner Beachtung der in ihr liegenden Gesetzmäßigkeiten schaffen können, sollen wir tun. Gott, der Schöpfer, will das. Aber wenn wir unser eigenes Bemühen als „heil“- schaffend ausgäben, dann würden wir andere und uns selbst betrügen. Über die Chancen des Fleisches (Joh 3,6f) kommen wir nicht hinaus. (Voigt)
  • Paulus verkündigt die Freiheit eines Christenmenschen, in der auch Weltliches – in seinen Grenzen – mit ganzer Hingabe und Liebe getan werden kann. (Voigt)
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