24-5 Ich will nicht mehr – Jer 20,7-13

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Jer 20,7-11a(11b-13)

1.    Exegese

1.1 Schreibe den Text ab und finde heraus wer handelt (evt. handeln soll) und Was Warum gemacht wird (werden soll)!

1.2 Beantworte folgende Fragen zum Text:

  • In welchem Kontext steht unser Text?
    • Wer ist Paschhur?
    • Beachte den Kontrast zwischen Vers 13 und 14ff!
    • Wie erklärt sich dieser Kontrast?
  • Beachte, dass Jeremia Gott bei Seinem Namen anruft! 7
  • Was bedeutet das Wort „überredet“?
    • Was wollte Jeremia damit Gott sagen?
    • Warum hat er sich „überreden lassen“?
  • Lies Jer 1,5-7!
    • Nutzte Gott Seine Allmacht aus?
    • mit 1Mo 32,25-27
  • Warum wird Jeremia verspottet? Warum lacht man über ihn?
  • Beachte das Bindewort: „denn“! 8
  • Was ist mit „Frevel und Gewalt“ gemeint?
    • Ist das Gerichtspredigt oder ein Hilfeschrei des Propheten?
  • Wieso ist des Herrn Wort für ihn zu Spott geworden?
    • Wer spottet über was?
    • Was hatte Jeremia zu predigen?
  • Beachte das Bindewort: „da“! 9
  • Warum reagiert Jeremia so abweisend?
    • Wie nennt man diese Reaktion in der Psychologie heute?
    • Bockt er? Was ist an seiner Reaktion anders als bei Jona?
  • Beachte den Kontrast: „aber“!
  • Was meint er mit dem „Feuer“?
    • Was konnte Jeremia nicht mehr ertragen und warum?
    • Was meint: „schier vergangen“?
  • Beachte das Bindewort: „denn“! 10
    • Worauf bezieht es sich?
  • Wer sind die Vielen?
    • Warum reden sie heimlich?
    • Was ist mit „Schrecken“ gemeint?
  • Warum soll Jeremia verklagt werden?
    • Warum sind sogar seine Freunde und Kameraden gegen ihn?
  • „Überlisten“ – das gleiche Wort wie in Vers 11!
    • Warum und womit wollen sie ihn überlisten?
    • Warum wollen sie „sich rächen“?
  • Beachte den Kontrast: „aber der Herr“! 11
    • Dem „aber“ folgt ein „darum“!!!
  • Woher kommt der plötzliche seelische Umschwung bei Jeremia?
    • Warum benutzt er das Bildwort vom „starken Helden“?
    • Warum werden! seine Verfolger nicht gewinnen?
  • Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Vers 7 und 11?
  • Beachte das Bindewort der Ermutigung: „und nun“! 12
    • Was meint der Ausdruck: „Herr Zebaoth“?
    • Was ist mit „Nieren und Herz“ im AT gemeint?
  • Warum will Jeremia Gottes Vergeltung sehen?
    • Wie hat Jesus später in ähnlicher Lage reagiert?
  • Was meint Jeremia mit: „ich habe dir meine Sache anbefohlen“?
  • Woher auf einmal dieser Impuls Gott zu loben? 13
    • Was lobt Jeremia an Gott?
    • Warum lobt er Gott in oder trotz seiner Situation?
  • Warum hat der Sammler der Reden Jeremias diese Begebenheit mit festgehalten?
    • Was wollte er den Lesern damit sagen?

1.3 Gliedere den Text in Abschnitte und gib Überschriften

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1.4 Formuliere den Hauptgedanken des Textes in einem Satz!

Etwa so: Der Autor wollte seinen Lesern sagen, …

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1.5 Verschiedene Vorschläge zum Text:

1.5.1     Für die Gliederung

1.5.2     Für den Hauptgedanken

hier

1.6 Neutestamentliche Gedanken

o    Die Apostel sind die Allergeringsten             1Kor 4,9

o    Der Knechts ist nicht über seinem Meister    Mt 10,24

o    Jesus lädt die Beladenen zu sich ein                       Mt 11,28

o    Verfolgung um des Namen Gottes willen       Mt 5,10-12

o    Ist Gott für uns, …                                      Röm 8,31-39

2     Homiletik

2.1 Wo trifft der Hauptgedanke des Textes das Leben meiner Gemeinde?

Formuliere ein Predigtziel als Satz!

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2.2 Plane / gliedere einen Weg zu deinem Predigtziel!

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2.3 Verschiedene Vorschläge zur Predigt:

hier

2.4 Sammle Beispiele, Zitate und Anwendungsideen:

  • Unser Text ist eine der „Konfessionen Jeremias“ (11,18-23; 12,1-6; 15,10-12.15-21; 17,14-18; 18,18-23; 20,7-13.14-18). (Voigt)
  • In der Spur des angefeindeten, bedrängten, leidenden Christus gehen (Evangelium), das kommt nicht nur bei solchen vor, die gleichzeitig mit Ihm oder nach Ihm leben, sondern das ereignet sich auch vor Christus, „denn also haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind“ (Mt 5,12b). Man sieht es deutlich am Gottesknecht von Jes 53; er trägt, wie Paulus (Gal 6,17), gewissermaßen die Stigmata Christi an sich. (Voigt)
  • Christusnachfolge ist, solange wir noch im Schatten des Kreuzes Leben, nie ein Triumphzug, und es sollte uns die uns etwa widerfahrene „Hitze“ „nicht befremden“ (1Petr ,12. (Voigt)
  • Paschhur (20,1-6); ein eingefleischter Gegner der Babylonier, streute dem Volk offensichtlich Sand in die Augen und weissagte ihm eine sichere Zukunft (6), obwohl der Untergang Jerusalems und das Exil unabwendbar waren. (Gradwohl)
  • Jeremia entpuppt sich einmal mehr als eine starke Persönlichkeit, die sich selbst von angesehenen Beamten nicht einschüchtern lässt. Was er zu sagen hat, sagt er, mag die Konfrontation für seine Person auch mit höchst unannehmbaren Folgen verbunden sein. (Gradwohl)
  • In seinem Herzen ist der Prophet äußert sensibel und verwundbar. … Der Schlag des Priesterfunktionärs (2) und die Haft im Block führen zu einem Aufbäumen gegen Gott selbst. (Gradwohl)
  • Die Konfessionen lassen uns in sein Inneres sehen. Was in ihm vorgegangen ist, wird bei ihm erkennbar wie bei keinem anderen im Alten Testament. … Er leidet an Gott und an dem ihm von Gott erteilten Auftrag. … Er versinkt ungetröstet in eine Finsternis, die an Karfreitag erinnert (14-18). (Voigt)
  • Kein anderer Prophet hat seine Krise mit einer solchen Offenheit enthüllt, keiner ist uns daher menschlich näher. (Gradwohl)
  • „Frevel und Gewalt“ (8) ist immer ein Verbrechen im sozialen Bereich. (Gradwohl)
  • „Ich konnte es nicht ertragen“ (9) – Im Verb steckt das Moment der Müdigkeit, Mattheit: „ich war zu schwach“; „ich besitze keine Kraft“. (Gradwohl)
  • „Freunde und Gesellen“ (10): „mein Vertrauter“; „Mensch meines Friedens, meines Einverständnisses“. (Gradwohl)
  • „Nieren und Herz“ (12): Sitz der Weisheit nach biblischer Anthropologie. (Gradwohl)
  • „Boshaften“ (13) – „Missetäter“; Bösgesinnte“ (Gradwohl)
  • Betört („überredet“ bei Luther) hast du mich, Herr, und ich wurde betört …“ (7). Jeremia erhebt einen schrecklichen Vorwurf: Gott hat ihn mit Scheinargumenten zum Propheten berufen, hat ihm Hilfe und Beistand den Gegnern gegenüber zugesagt (Jer 1,8.19 à 20,2) und Sein Wort nicht gehalten. (Gradwohl)
  • 2Mo 22,15: „Wenn ein Mann ein unverheiratetes Mädchen, das noch nicht verlobt ist, betört und mit ihr schläft, so hat er es durch die Brautgabe zur Frau zu nehmen. (Gradwohl)
  • Das Betören entspricht einem „Diebstahl des Herzens“. (Gradwohl)
  • Unter Betören ist die Willensbeugung mit Hilfe einer Lüge zu verstehen. Betören meint das verlogene Überreden einer Frau, vorehelichen Beziehungen zuzustimmen. (Gradwohl)
  • Gott als „Verführer“ – Hesekiel verwendet dieselbe Vorstellung (14,9). (Gradwohl)
  • Jeremia klagt mit einem Aufschrei: „Betört hast DU mich …“ Gott an, dass Er ihn zu einem Lügenpropheten machte, weil sich die göttlichen Weissagungen (noch) nicht erfüllten. (Gradwohl)
  • Nicht nur mit Worten der Verführung, sondern auch mit Kraft hat Gott zugepackt (7) und sich als der Stärkere erwiesen. (Gradwohl)
  • Ich bin Gott gegenüber machtlos, wie ich es Menschen gegenüber nie wäre. Die Betörung ist daher vollständig, sie ist kein einmaliges Ereignis, sondert dauert an, weil Jeremia sich von seinem Prophetenamt nicht zu lösen vermag. (Gradwohl)
  • Jeremia ist kein Jacob, der eine lange Nacht lang in aller Einsamkeit mit einem gottgesandten „Mann“ ringt, ohne dass er ihn überwältigen konnte (1Mo 32,24f). … Jeremia hingegen unterliegt. Er ist nicht der Überwältigende, er ist der Überwältigte. (Gradwohl) Der Prophet wird wegen seines leidenschaftlichen Gemütsausbruch nicht getadelt. Denn zum einen wird ein Mensch in der Stunde seines Schmerzes nicht behaftet, und zum anderen war seine Aussage nicht verwerflich (anders als in 15,18, wo er wegen der Beschuldigung, Gott sei ein trügerischer Bach, erst einmal zur Umkehr aufgefordert wird – 15,19). Wir verstehen des Propheten Aufschrei angesichts eines solchen Ausmaßes an Demütigung und Leid, und auch Gott bringt dafür Verständnis auf. (Gradwohl)
  • Wir wissen nicht genau, zu welchem Zeitpunkt der Zwischenfall mit Paschhur und der Ausbruch Jeremias stattgefunden haben. Zweifellos fällt das Geschehen in jene Tage (um 605 v.Chr.), da Babyloniens Vordringen schon klar sichtbar, eine immanente Gefahr aber noch nicht greifbar ist – jedenfalls nicht greifbar von der Masse des Volkes, die Jeremia wegen seiner Schreckensvisionen (Kap 19) verhöhnt und seinen Worten nicht den geringsten Glauben schenkt. (Gradwohl)
  • „Gewalttat und Raub“ (8) ist des Propheten Schmerzensschrei, als ihm vom Volk hart zugesetzt wird, nicht der Inhalt seiner Botschaft. (Gradwohl)
  • Welch ein Unterschied zum „Gottesknecht“, der willig seinen „Rücken den Schlagenden“ anbietet, sein Gesicht nicht verbirgt „vor Schande und Bespeiung“ (Jes 50,6). Der „Gottesknecht“ war nicht „widerspenstig“, er war überzeugt, dass „nahe ist, der mich ins Recht setzt“ (Jes 50,5.8). Jeremia bekundet mit seinem Aufschrei das genaue Gegenteil. … Er ist der „Anti-Gottesknecht“, der das Joch abzuschütteln sucht, das ihm der Stärkere aufgebunden hat. (Gradwohl)
  • Eine Flucht vor Gott ist nicht möglich. Das erfuhr Jona am eigenen Leib in den Tagen des assyrischen Großreichs. … Doch ein Schweigen, ein Verschweigen des göttlichen Auftrags? Jeremia gibt sich die größte Mühe. … Das Ergebnis ist verheerend (9). Das Wort wurde zu einem „Knochenbrand“. … Gottes Botschaft lässt sich nicht eindämmen, sie drängt hinaus. (Gradwohl)
  • Der Wille wird durch die Fakten bezwungen. Das Gotteswort ist mächtiger, weil Gott mächtiger ist. (Gradwohl)
  • Wo der Wille des Propheten mit dem Willen Gottes zusammenprallt, unterliegt er. Die Herzen der anderen sind „Asbest“, feuersicher. Unempfindlich für die Botschaft Gottes, brennen sie nicht. Jeremia hingegen ist unfähig, den Brand auszuhalten. (Gradwohl)
  • Die Feindschaft der Vielen führt „zum Schrecken ringsumher“ (10). … Denkt Jeremia an die „Leute aus Anatot“ (11,21, die Angehörigen, die nach seinem Leben trachten? (Gradwohl)
  • Die „Freunde und Vertrauten“ (10) heulen mit den Wölfen und sind viel gefährlicher, da sie seine Blöße leichter zu entdecken vermögen. … Ein Unbekannter schrieb: „Gott schütze mich vor meinen Freunden; vor meinen Feinden kann ich mich selber schützen!“. (Gradwohl)
  • An diesem Punkt (10) ist die Talsohle erreicht, die Wende setzt ein. Er reißt sich aus seiner Depression heraus und schöpft neuen Mut.
  • Gott erweist sich nicht nur Jeremia gegenüber als der Überwältiger (7). Er überwältigt auch Jeremias Gegner. Ihre Hoffnung auf das „Überlisten“ (10) zerschlägt sich, wie sich die Hoffnung Jeremias auf das Bezwingen des Gotteswortes zerschlug (9). (Gradwohl)
  • Die wirkliche Kraft steht nur bei Gott. Er allein ist der „mächtige Held“. Nach tiefem Leid gewinnt Jeremia diese Erkenntnis wieder, die er immer schon besessen hat. Sie war verschüttet und tritt jetzt wieder ans Tageslicht. (Gradwohl)
  • Die Feinde Jeremias „wollen sich an ihm rächen“. Aber Jeremia spricht: „Lass mich Deine Vergeltung an ihnen sehen“ (12). – OKULI – Jeremia bleibt passiv. (Gradwohl)
  • Gott ist die Ursache der Anfeindung gegen Jeremia, weil Er dem Propheten Seine Botschaft übertragen hat, und daher tritt Er nunmehr als Partner in den „Rechtsstreit“ (11,20) ein. (Gradwohl)
  • Gott will, auch wenn Er des Menschen Gedanken kennt (12), dass der Mensch diese Gedanken ausspreche, die Freude und den Dank bekunde und die Schuld eingestehe. (Gradwohl)
  • In Vers 13 steht ein Hymnus. … Der Aufruf erinnert an Ps 68,5 und 96,2. (Gradwohl)
  • Weil jedoch die Anfechtungen Jeremias nie völlig aufhören, wird auch die Hochstimmung gelegentlich durch eine neue Depression und Krise abgelöst. So ist es verständlich, dass derjenige, der Jeremias Reden zusammengestellt hat – vielleicht sein „Sekretär“ Baruch ben Nerija – in Vers 14-18 des Kapitels nicht zufällig eine Selbstverwünschung folgen lässt, wie sie sich nur noch bei Hiob (3,2-26) findet. (Gradwohl)
  • Dabei ist nicht gesagt, dass die Selbstverwünschung Jeremias zeitlich unmittelbar auf unseren Bibelabschnitt folgte. … Der Schreiber sieht aber die Zusammenhänge, er weiß, dass Jeremia, die markante Persönlichkeit, die dem König und den Würdenträgern die Stirn bietet, bis zuletzt höchst verwundbar und sensibel bleibt. Und daher ist der abrupte Übergang vom „Singt dem Herrn! …“ (13) zum „Verflucht sei der Tag, an dem ich geboren wurde“ (14), symptomatisch. (Gradwohl)
  • Der Prophet schwimmt gegen den Strom, er sagt nicht, was das Volk hören will, sondern was es hören muss. … Das führt ihn zu einem dauernden Zusammenstoß mit der Meinung der Vielen. (Gradwohl)
  • Zuletzt fügt Jeremia sich ins Unabänderliche und versöhnt sich mit seinem Gott. Mit einem Lobpreis endet der Konflikt. (Gradwohl)
  • „Betört“, „gepackt“, überwältigt fühlt sich jeder Mensch, am Ende seiner Kraft. Doch dann rafft er sich auf, findet zurück zum Vertrauen in Gott und die Menschen und gewinnt seine innere Sicherheit wieder. (Gradwohl)
  • Die persönliche Gewissheit der Gegenwart Gottes ist wichtiger als eine Antwort auf die Frage nach dem „Warum“!

 

  • Was hier zu durchleiden ist, ist der Konflikt zwischen Gott und der Welt, wie sie ist, also das Widereinander zwischen Gott, der Seinen Anspruch auf die von Ihm geschaffene Welt geltend macht, und der Welt, die sich gegen diesen Anspruch auflehnt. (Voigt)
  • Es ist Jeremias Auftrag, diesen göttlichen Anspruch anzumelden und darin, wie immer die Hörer darauf reagieren, nicht locker zu lassen. Auch Jesus ist, indem Er starb, an diesem Gott-Welt-Konflikt zerbrochen – nicht zufällig, sondern notwendig (Lk 24,26). (Voigt)
  • Wie kommt es, dass dieser Mann, Jeremia, alle gegen sich hat, nicht nur die Fernstehenden, sondern auch seine Freunde? … Er hat nicht nur Schlimmes für Leib und Leben zu befürchten, er wird durch den Spott – und das ist schlimmer – moralisch vernichtet. (Voigt)
  • Wer, wie Jeremia, den inneren Zustand seines Volkes am ersten Gebot misst (1,16; 2,20ff …), kann nicht in das Gerede der Heilspropheten einstimmen (23,9-11). (Voigt)
  • „Grauen von allen Seiten“ (10): das ist seine Diagnose der politischen, militärischen und religiösen Situation. (Voigt)
  • Dass der Gottesbote unter dem Druck der Verfolgung leidet, ist nicht sein persönliches Pech, sondern hängt tief mit seinem Auftrag zusammen. Er muss die Sünde der Menschen ans Licht ziehen: die zweifache Sünde (2,13) und all die anderen (6,7.13; 5,7; 7,6; 9,7). … „Es ist niemand, dem seine Bosheit leid wäre …“ (8,6). (Voigt)
  • Wenn der wirkliche, der heilige, der unbequeme Gott sich – durch Jeremias Mund – meldet, der Gott, der die eigenen Kreise stört, der den Menschen die Maske abreißt und ihre Heillosigkeit aufdeckt, ihre Selbstzufriedenheit und Selbstgerechtigkeit anzweifelt, dann war man nicht mehr willens auf Gott zu hören. (Voigt)
  • Wieso Jeremia dem Kommenden verwandt ist, den er noch nicht kennen kann, liegt auf der Hand. Auch Jesus ist belauert, provoziert (10), angezeigt und verklagt worden, weil Er störte. Er hat eine als Frömmigkeit sich ausgebende Selbstgerechtigkeit entlarvt und gebrandmarkt, ist der unfrommen und frommen Lüge entgegengetreten, der Unbarmherzigkeit, die den Ausgestoßenen verkommen lässt, der Sicherheit, die das Kommen Gottes nur als Selbstbestätigung erwartet, der falschen Gottverbundenheit, die den wirklichen Gott gar nicht an sich heranlässt. (Voigt)
  • Man muss wissen: wo mit Gott Ernst gemacht wird, da können die Menschen nicht bleiben, wie sie sind. (Voigt)
  • Der Zusammenprall zwischen dem Gottesboten und der Welt, sofern sie sündig ist, also ohne und gegen Gott lebt, ist unvermeidlich. Es ist nur die Frage, wer dabei auf der Strecke bleibt. Jeremia: „Meine Verfolger … müssen ganz zuschanden werden.“ Bei Jesus ist es anders. Er bleibt auf der Strecke, weil Er nicht will, dass wir an unserer Verkehrtheit zugrunde gehen. Was uns zukäme, das trifft Ihn! (Voigt)

 

  • „Du hast mich verführt“ (7) – wie ein Mädchen, das in seiner Einfalt der List eines Mannes erliegt. … Und dann war es einfach eine Frage der Kräfte: „Du bist mir zu stark geworden und hast mich überwältigt“ (um nicht zu sagen: „vergewaltigt“). (Voigt)
  • So redet einer nur, wenn er an seiner Sendung – obwohl er sie als Faktum nicht leugnet – im tiefsten irre geworden ist. (Voigt)
  • Jetzt, unter dem Druck der – jahrzehntelangen – Anfechtungen sieht es anders aus. Er hat zu seinem Amt kein Verhältnis mehr. … Hier ist einer innerlich mit seinem Amt zerfallen – und damit auch mit seinem Auftraggeber. (Voigt)
  • Irgendeinen Job kann man aufgeben. Die Sendung durch Gott nicht. Jeremia empfindet richtig: Wollte er Gott den Gehorsam kündigen, dann müsste er Gott selbst aus seinem Denken und Gewissen ausradieren. Anders käme er nicht zur Ruhe. Was für ein Entschluss: „Ich will Sein nicht mehr gedenken“ (9). Weg mit dem – beunruhigenden – Gedanken an Gott! Tun, als wäre Er nicht! Als gäbe es Den nicht, der doch Herz und Nieren prüft (11,20; 17,10; 20,12)! (Voigt)
  • Ein ihm lästiges, mehr noch, ein sein ganzes Dasein bedrohendes inneres Müssen verlangt, dass er seinen Prophetenberuf fortführt, bis zum bitteren Ende. Unter – innerem – Zwang steht er. Die Lage ist ausweglos. Der Untergang steht bevor. … Er muss die in der Sendung liegenden Leiden bis zur Neige auskosten. „Grauen von allen Seiten“: das kündigt er nicht nur an, dass muss er selber mit ertragen. … Der Kelch geht an ihm nicht vorüber. Er ist der Vorbote dessen, den er noch nicht kennt, und Der doch Seine Malzeichen in ihn einprägt. (Voigt)
  • Steht Jeremia unter dem Zwang der Sendung, dem er unwillig nachgibt, nur um innerlich nicht zu verbrennen, so geht Jesus Seinen schweren Weg aus der Einsicht in das göttliche „Muss“ und darum im Gehorsam gegen den Vater, also im Einklang mit Ihm. (Voigt)
  • Vers 10 könnte auch von einem gesprochen sein, der sich mit Gott im Einverständnis weiß und darum den feindseligen Menschen trotzen kann (wie etwa 15,15-21). (Voigt)
  • Es wäre vorstellbar (11), dass der Prophet, die Aussichtslosigkeit seines inneren Widerstandes gegen Gott einsehend, sich wieder in den „Dienst“ begeben hat und nun das einzige tut, was einer in solcher Lage überhaupt tun kann: Dass er Gott, der ihn nicht loslässt, seinerseits in Anspruch nimmt, ja, dass er sich der Zusagen erinnert, die ihn auf seinem Wege von der Stunde der Berufung an begleitet haben (1,17-19). (Voigt)
  • In der Gewissheit, dass Gott auf seiner Seite steht, kann er Gott bereits loben und preisen als den, der sich des Armen und unschuldig Verfolgten annimmt. Ein solcher Umschwung der Gebetsstimmung aus tiefster Niedergeschlagenheit zum frohen Preis der Hilfe Gottes, begegnet uns öfter in alttestamentlichen Gebeten. Er ist eine Tatsache des Gebetslebens. (Voigt)
  • Die Gebetserfahrung des Volkes Gottes, festgehalten und geprägt in den Psalmen, trägt den in Not Befindlichen und den der Verzweiflung Nahen oder Verfallenen. (Voigt)
  • Die Kraft der formulierten, geprägten und immer wieder gebrauchten Gebete: Der einzelne Beter hört auf, sich auf seine eigenen Nöte, Verlegenheiten und Schmerzen zu fixieren und geht mit seinem Beten in die Glaubenserfahrung der Gemeinde ein. (Voigt)
  • Noch ist die Seele betrübt – aber „Harre auf Gott; denn ich werde Ihm noch danken“ (Ps 42,6). (Voigt)
  • Der leidende Gottesbote lebt – mitten im Gedränge und mitten in der Lage, die man nur mit „Gauen ringsum“ bezeichnen kann – in der Gewissheit, der Bewahrung: Als ein Sterbender, aber siehe, er lebt; als ein Gezüchtigter, und doch nicht getötet; als ein Trauriger, aber allezeit fröhlich (2Kor 6.9). So geht es denen, die sich in der (vor- oder nachzeitigen) Nachfolge des Gekreuzigten befinden. (Voigt)
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