48-4 Schaut auch auf den anderen – Phil 2,1-4

Downloadlink: 48-4 Schaut auch auf den anderen – Phil 2,1-4

Phil 2,1-4

1.    Exegese

1.1 Schreibe den Text ab und finde heraus wer handelt (evt. handeln soll) und Was Warum gemacht wird (werden soll)!

1.2 Beantworte folgende Fragen zum Text:

o    Worüber schrieb Paulus im ersten Kapitel?

o    Was ist mit „Ermahnung in Christus“ gemeint?                     1

  • Was meint „Trost der Liebe“?
  • Was ist „Gemeinschaft des Geistes“?
  • Wie sieht „herzliche Liebe“ aus?
  • Was ist Barmherzigkeit?

o    Sind diese Verhaltensmuster bei den Philippern vorhanden oder nicht?

o    Warum schreibt Paulus hier: „so macht nun …“?                  2

  • Worüber will Paulus sich freuen?
  • Was ist vollkommene Freude?

o    Wie ist man „eines Sinnes“?

  • Was bedeutet die „gleiche Liebe haben“?
  • Was ist mit „einmütig“ und „einträchtig“ gemeint?
  • Darf in der Gemeinde noch jeder seine Meinung haben?

o    Was ist „Eigennutz“?                                                          3

  • Was ist mit „eitler Ehre gemeint?

o    Beachte das Bindewort „sondern“!

o    Was ist Demut?

  • Wann ist Demut wirklich Demut?

o    Wie „achtet man den anderen höher als sich selbst“?

  • Was hat diese Hochachtung mit Demut zu tun?

o    Warum wird „ein jeder“ hier nochmal betont?                        4

  • Was ist mit „das Seine“ gemeint?
  • Warum ist das kleine Wort „auch“ hier wichtig?
  • Was dient dem Anderen?

o    Warum hat Paulus diese Zeilen an die Philipper geschrieben?

  • Sind sie in erster Linie ein Lob oder Ermahnung?

o    Was wollte Paulus den Philippern hier sagen?

1.3 Gliedere den Text in Abschnitte und gib Überschriften

o

o

o

o

1.4 Formuliere den Hauptgedanken des Textes in einem Satz!

Etwa so: Der Autor wollte seinen Lesern sagen, …

o

1.5 Verschiedene Vorschläge zum Text:

1.5.1     Für die Gliederung

1.5.2     Für den Hauptgedanken

hier

2     Homiletik

2.1 Wo trifft der Hauptgedanke des Textes das Leben meiner Gemeinde?

Formuliere ein Predigtziel als Satz!

o

2.2 Plane / gliedere einen Weg zu deinem Predigtziel!

o

o

o

o

2.3 Verschiedene Vorschläge zur Predigt:

hier

2.4 Sammle Beispiele, Zitate und Anwendungsideen:

o    Die Ermahnung hat in 1,27 begonnen. Das Motiv des Mitkämpfens findet sich auch in 1,27 und 4,3. (Voigt)

o    Nach dem beschwörenden Vers 1 folgt der Hauptsatz: „Macht meine Freude vollkommen“, indem „ihr dasselbe im Sinn habt“. Dahinter könnte man sich einen Doppelpunkt denken, denn alles Folgende ist davon abhängig. (Voigt)

o    2b kreist um das Einssein in der einen Sache. Vers 3 um die verbindende Kraft der Bescheidenheit bzw. der Höherachtung des anderen, Vers 4 dann um das Interessiertsein am Wohl des andern. (Voigt)

o    „Freude“ (2) ist das Hauptmotiv des Briefes. (Voigt)

o    „ausfüllen“, wie man ein Gefäß vollschenkt. (Voigt)

o    „Dasselbe denken“ – auf dasselbe bedacht sein, dasselbe im Sinn haben, dieselbe Gesinnung haben. (Voigt)

o    „Dieselbe Liebe haben“ ist nicht quantitativ gemeint, es geht um die Gleichgerichtetheit ihres Wollens. (Voigt)

o    „Demut“, bei den Griechen die Sklavengesinnung der Unterwürfigkeit, aus der dann auch das Demoralisiertsein erwächst. Ganz anders in der Bibel: Gott gibt dem Demütigen Gnade. Der Herr Selbst hat sich „klein gemacht“ (8). (Voigt)

o    Als Gegensatz zu Streitsucht und Ruhmsucht bekommt „Demut“ den Akzent der Selbstlosigkeit. (Voigt)

o    Der Egoist „sucht das Seine“, es gibt ihn in verschiedenen Varianten (21; 1Kor 10,24.33; 13,5). Wie der Herr nicht an sich dachte (6), wird der Christ den „Blick“ auf die Sache des andern „richten“. (Voigt)

o    Paulus hat bei der Ermahnung eine konkrete Gemeindesituation vor Augen. (Voigt)

o    Die Mahnung in 2-4 geht davon aus, dass es in der Gemeinde vier Sachverhalte gibt, die sie tragen. (Voigt)

o    „Ermahnung“ ist tröstlicher Zuspruch und Ermahnung in einem; nicht moralisches Gebieten oder gesetzliches Drängen, sondern der An- und Aufruf, der aus dem versöhnenden, rettenden Tun Christi hervorgeht. (Voigt)

o    „In Christus“ – hier werden Menschen angeredet, die „in Christus“ ihr neues Sein haben. (Voigt)

o    Die Liebe (1) lässt den anderen nicht allein, sie nimmt, was den anderen bewegt, vielleicht bedrängt, auf ihr Herz. (Voigt)

o    „Dein“ und „mein“ Anteil am Heil verbindet uns beide. Liebe und Erbarmen (1) gehen so tief und durchdringen so sehr die ganze Zuwendung zum anderen, dass man sich des Wortes „Eingeweide“ bedient. (Voigt)

o    Von Gottes „herzlicher“ Barmherzigkeit (Lk 1,78) kommt dann die „innerste“ Zuwendung zum anderen, so dass Paulus sich „mit dem Herzen Christi“ nach den Philippern sehnen kann (1,8). (Voigt)

o    Die Mahnung zur Einmütigkeit und „Einhelligkeit“ (so, dass man in der „Seele“ zusammen ist) findet sich im NT nicht selten. (Voigt)

o    Man sollte meinen, dass gemeinsamer Glaube – noch dazu in gemeinsamem Kampf zu bewähren und zu vertreten (27) – Menschen miteinander verbindet. … Es ist nicht so, dass die Menschen sich auch sofort untereinander umso besser verstehen, je besser sie Gott verstehen. Zunächst gilt vielleicht oft das Gegenteil: jeder Einzelne wird da mit Macht auf sich selbst zurückgedrängt, entdeckt sich vor Gott als Einzelner im Gegensatz zum allgemeinen Menschsein. (Voigt)

o    Wie kommt es zu dem hier erwarteten und angemahnten Einssein? Obwohl Paulus die Mahnung so ernst begründet (1), lässt er keinerlei gesetzliche Schärfe erkennen. „Der Becher der Freude“ (1,4.18; 2,17; 4,1.4) „ist noch nicht ganz voll; bitte, füllt ihn doch bis zum Rand, indem ihr dasselbe im Sinn habt und in euch bewegt“. (Voigt)

o    Die Philipper sollen die gleiche Liebe haben. Gemeint ist nicht das „Gleichmaß“ der Liebe, sondern die Gleichgerichtetheit ihres Wollens. … Die Liebe kennt kein Schema, gerade darum, weil sie schöpferisch ist. (Voigt)

o    Es geht hier um eine Liebe, die auf den Tag Christi blickt, von daher ihre Lauterkeit und Sauberkeit, aber wohl auch ihren Ernst und ihre Sachlichkeit gewinnt. (Voigt)

o    Von der Agape war in 1 bereits die Rede: Nicht wahr, ihr Philipper, das gibt es doch unter euch: dass einer sich dem andern „nahe zur Seite stellt“ und ihm ermunternd zuspricht? (Voigt)

o    Wir reden von einer Liebe, die aus der uns widerfahrenden Christusliebe hervorgeht und ihre Art hat: Liebe, die sich dem andern zuwendet, auch wenn er’s nicht wert ist; Liebe, die ihn nimmt, wie er ist, und ihn aufwertet; Liebe, die ihn bedingungslos bejaht und darin kreativ ist. Das wäre dann auch Liebe, die sich „gleich“ bleibt; ist sie doch nicht abhängig von dem, was sie vorfindet. (Voigt)

o    Christen lieben, weil Christus Selbst hinter ihnen steht, ihr Herz erfüllt, ihren Willen dirigiert, ihnen die Hand führt und durch sie spricht. (Voigt)

o    „Dasselbe im Sinn haben“, dies kommt dadurch zustande, dass man „das Eine im Sinn hat“. Wer auf das Eine sinnt, der sinnt auch auf das Gemeinsame. (Barth in Voigt)

o    Das „Eine“ ist nicht Summe von vielen einzelnen Dingen (Vorstellungen, Lehren, Überzeugungen …), sondern das, wovon nach unserem Text die Rede ist: Christus Selbst und Sein Werk für uns. (Voigt)

o    Man könnte in dem „Einen“ auch „das Eine“ sehen, das „not ist“ (Lk 10,42). (Voigt)

o    Die Störfaktoren im gemeinsamen Leben kommen hier (3) eindeutig aus dem rein Menschlichen. (Voigt)

o    Das Prahlen (eitle Ehre) – die „leere Ruhmsucht“, der geile Geltungsdrang, die Sucht nach Beifall. (Voigt)

o    Beide Laster bestehen darin, dass man sich nach vorn spielt: zum eigenen Vorteil, zum eigenen Ruhm. (Voigt)

o    Menschliches Wohlverhalten im Umgang miteinander, Wohlerzogenheit und Takt sollte man nicht geringachten. (Voigt)

o    Nehmt es an, dass Christus für euch einsteht und Selbst in Seiner Person das normalisierte Gottesverhältnis (Gerechtigkeit) für euch ist! Eure Sache ist nirgendwo besser aufgehoben als bei Ihm. Ihr selbst könnt in keiner Weise höher in Geltung stehen als dadurch, dass Er sich für euch stark macht und für euch steht. Bedenkt doch, was das heißt, dass ihr „in Christus“ seid. (Voigt)

o    Wer verlangt heute eigentlich noch nach Rechtfertigung? In der Tat, mit diesem Wort können viele nichts verbinden, was ihr eigenstes Interesse angeht. Wohl aber kennen wir, was in den Warnungen in Vers 3 gemeint ist. Der Egoist, der die Ellbogen braucht, um sich seinen Platz im Leben zu erobern, und der es darum auf Konflikte mit seinen Mitmenschen ankommen lässt, worum kämpft er eigentlich? Fürchtet er bloß, sein Glück zu verpassen und im Leben zu kurz zu kommen? Wahrscheinlich treibt ihn Tieferes. Er empfindet das Leben als etwas ihm Feindseliges, ihn Bedrohendes. Warum sonst muss er immerzu hadern und streiten? Alle, scheint es ihm, sind gegen ihn verschworen. Immer wieder muss er sich sein Recht erkämpfen. Er kämpft um seiner Rechtfertigung willen. (Voigt)

o    Sein Herz weiß es besser als sein Verstand, dass der nichtgerechtfertigte Sünder in einem letzten Sinn ein Rechtloser ist; dass er vor Gott verspielt hat, dagegen wehrt er sich, indem er gegen Menschen kämpft, die ihm vermeintlich das Gleiche schuldig bleiben. (Voigt)

o    Wer sich kennt, weiß dass Konflikte im mitmenschlichen Bereich eben deshalb so aufregend sind und so weh tun, weil im Grunde noch etwas anderes verletzt ist als Recht und Billigkeit. (Voigt)

o    Klar, wir müssen auf unsere Ehre, auf unser Ansehen aus sein. So sind wir geschaffen. Der Sünder muss erst recht darauf erpicht sein – er giert nach dem, was er legitimerweise nicht gewinnen kann, weil er eben – Sünder ist. Solange er Ansehen und Geltung nicht geschenkweise um Christi willen aus Gottes Händen empfängt, muss er die verlorene Herrlichkeit sich anderswoher zu verschaffen suchen. Ehrgeiz, Geltungsdrang, Ruhmsucht – übrigens auch solche Erscheinungen wie Empfindlichkeit, Einschnappen, resignierender Trotz – signalisieren nur den Fehlbetrag an „Rechtfertigung“. (Voigt)

o    Ob es wohl unter euch das befreiende Wort von der Versöhnung in Christus gibt (1)? Ja, sagt ihr? Dann könnt ihr euren Bedarf an „Rechtfertigung“ doch wahrhaftig auf bessere Weise decken als durch Ellbogentechnik und widerliche Selbstanpreisung! Dann ist dieser Bedarf ja längst gedeckt! Dann hat Christus euch ja längst zu der Höhe erhoben, die nicht überboten werden und die euch keiner streitig machen kann. Ihr braucht es nur zu Herzen und ganz ernst zu nehmen, dass ihr „in Christus“ seid, dann fällt das Verkrampfte von euch ab, und ihr werdet locker und gemeinschaftsfähig. (Voigt)

o    Man büßt doch wahrhaftig nichts ein, wenn man nicht die erste Geige spielt! (Voigt)

o    Man braucht den Nächsten nicht mehr herabzusetzen, damit man auf der Skala höher zu stehen kommt. Man braucht sich den Eigenwert nicht mehr durch Menschenverachtung, durch unredliche Weise zu verschaffen oder vorzutäuschen. (Voigt)

o    Gott entscheidet. Er hat – in Christus – nicht nur zu unseren Gunsten, sondern ebenso zu unseres Mitmenschen Gunsten entschieden. Christus hat ihn angenommen und gibt ihm den höchsten Wert. Sollten wir dann anders über ihn denken? (Voigt)

o    Es geht nicht nur darum wie man über den anderen denkt und urteilt, sondern darum, dass man sein Interesse zum eigenen macht, sein Wohl bedenkt und befördert, sein Anliegen wahrnimmt und aufnimmt, seine Leiden und Kümmernisse mitträgt, seine Freuden teilt (usw.). (Voigt)

o    Wir sollten uns scharf beobachten. Das Eigeninteresse ist eine unerhört starke Kraft in unserm Herzen. Da hat man irgendeinem Menschen tatsächlich etwas zuliebe getan – und sofort meldet sich das egoistische ICH mit seiner penetranten Selbstsucht und taxiert, was für einen selbst dabei herausgesprungen ist! Mindestens will die linke Hand wissen, was die rechte getan hat (Mt 6,3). Leider liegen die Dinge zumeist schlimmer. (Voigt)

o    Es gibt einen Bezirk in unserm Herzen, in dem wir – auch wenn wir uns mit unserm besseren Ich entschlossen das Gegenteil vorgenommen haben – alles, was wir hören, erleben und erfahren, daran messen, ob es uns zum Vorteil ist. (Voigt)

o    Paulus denkt so barmherzig mit uns allen (4 – „auch“), dass er weiß, es wäre nicht nur zu viel verlangt, es wäre vielleicht sogar schöpfungswidrig, wenn das Eigeninteresse völlig negiert würde. (Voigt)

o    Jesus Selbst fordert nur: Du sollst deinen Nächsten mit derselben unreflektierten Selbstverständlichkeit lieben, mit der du dich selbst liebst. Der uns eingeschaffene Selbsterhaltungstrieb dient nach der bewundernswürdigen Weisheit des Schöpfers dazu, dass Lebendiges sich nicht selbst aufgibt und wegwirft. (Voigt)

o    Es wäre ein unerhörtes Wunder, wenn wir es über uns brächten den Nächsten genauso aufrichtig zu lieben wie uns selbst! (Voigt)

o    „Nicht wahr, ihr Philipper, in der christlichen Gemeinde weiß man, was leidenschaftliches, wirklich „an die Nieren gehendes“, also den ganzen Menschen erfüllendes und bewegendes Erbarmen ist? Man hat ja das Erbarmen Gottes erfahren, sozusagen am eigenen Leib. (Voigt)

o    So ist das mit der Liebe Gottes: Sie lässt sich die Verlorenheit der Menschen so nahe gehen, dass man, um dies zu beschreiben, die gewagtesten Möglichkeiten menschlichen Sprechens nicht scheuen darf. Dass wir an unserer Sünde kaputtgehen, ist Gott „durch und durch gegangen“. Das ist die herzliche Barmherzigkeit (Lk 1,78). (Voigt)

o    Gott sieht nicht auf das Seine – obwohl Er uns nicht brauchte und uns fallen lassen könnte. Christus sieht nicht auf das Seine –Er hätte sich in Seiner Gottgleichheit sonnen können, und Ihm wäre der Weg in die tiefsten Tiefen erspart geblieben (5-8). Das ist die Liebe, die uns widerfahren ist! Sie hat Paulus im Blick, wenn er uns das Wohl unserer Mitmenschen aufs Gewissen legt. (Voigt)

o    Die Übermacht des Erbarmens Gottes sollte sich in unserm Alltag in eine Liebe umsetzen, die nicht danach fragt, wann ihr Pensum erfüllt ist (Röm 13,8). (Voigt)

 

o    Paulus ringt um die Einheit, die volle und tiefe Einheit der Gemeinde. Wie beschämt muss unsere so zerspaltene und zerklüftete Christenheit es heute lesen, wie sehr es Paulus auf die wirkliche, jetzt und hier gelebte Einheit der Gemeinde ankam. (de Boor)

o    Die Geschichte der evangelischen, auf „Lehre“ aufgebauten Kirche hat gezeigt, dass man so nur zu immer neuen Spaltungen kommen kann, weil gerade unsere Erkenntnis „Stückwerk“ und darum unabgeschlossen und also auch bei uns allen verschieden ist. (de Boor)

o    Wenn alle so „denken“, wie Jesus Christus auch gedacht hat, als Er für Sünder starb, dann können sie sich nicht entzweien, dann halten sie an den Brüdern fest. In der Einheit dieses „Denkens“, nicht in der Einheit der Erkenntnis und der Lehre, liegt die feste, unzerbrechliche Einheit der Gemeinde. (de Boor)

o    Wir dürfen jedenfalls bei der „Mahnung in Christus“ nicht „moralisch“ und bei der „Tröstung der Liebe“ nicht „sentimental“ denken. Es gibt in der Gemeinde das zusprechende Wort, das „in Christus“ wurzelt und darum kein leeres Wort bleibt, sondern gestaltende Kraft besitzt, und es gibt das aufrichtende Wort, das aus der göttlichen Liebe kommt und darum wirksame Hilfe darreicht. (de Boor)

o    Die Gemeinde hat ferner „Gemeinschaft des Geistes“. Das bedeutet jetzt nicht Gemeinschaft untereinander im Heiligen Geist, sondern „Anteilhabe am Geist“; der Geist Gottes wohnt in der Gemeinde und schafft in ihr Sein Werk. (de Boor)

o    Wieder wird uns, wie schon oben in 1,8, deutlich, dass die Bruderschaft einer Gemeinde sich freilich nicht in „Gefühlen“ erschöpft, aber auch ebenso wenig nur Betriebsamkeit von Hilfeleistungen und kühle Tat ist. Die „Eingeweide“ müssen schon bewegt werden, und die äußere oder innere Not des Bruders muss ein lebendiges Erbarmen wecken. Das gibt es aber in der Gemeinde! (de Boor)

o    Das alles hat die Gemeinde empfangen. Wenn sie es nicht verachtet und unwirksam macht, sondern es gebraucht und darin lebt, dann stärkt und erhält es ihre Einheit. Paulus freut sich an diesem reichen Gemeindeleben. Aber eben weil sie das alles haben, bittet er: „Macht mir die Freude voll …“.(de Boor)

o    Alles, was der Gemeinde gegeben ist, hilft zu ihrer Einheit, aber doch muss diese Einheit noch besonders erstrebt und vor allen Störungen bewahrt werden. Wie leicht führt uns doch das, worauf wir bedacht sind, auseinander. (de Boor)

o    Die alten Todfeinde der Gemeinschaft leben auch in wiedergeborenen Herzen weiter und kommen immer wieder ans Licht: „Eigensucht“ (vgl. 1,17) und „Geltungsdrang“. Dagegen muss willentlich angegangen werden. (de Boor)

o    Das Neue Testament meint weder, dass in unserm Leben als „Christen alles „von selbst“ in Ordnung kommt, noch dass das bloße Beten um die rechte Haltung genügt. Das Neue Testament ruft zum tapferen Einsatz des wiedergeborenen Willens auf. (de Boor)

o    Liebe und Demut kann dazu führen, dass ich den andern mit der Ehrerbietung begegne, die der natürliche Mensch nur denen entgegenbringt, die ihm in ihrer Stellung übergeordnet sind. (de Boor)

o    „Demut“ bezeichnet dem Wortlaut nach dasjenige „Denken“, das auf das Geringe und „Niedrige“ bedacht ist. (de Boor)

o    Der „Geltungsdrang“ nimmt die eigene Person wichtig und will für sie die angesehene Stellung, die rühmliche Aufgabe, den sichtbaren Platz. (de Boor)

o    Dass mein liebender und sorgender Blick „auch“ auf die Bedürfnisse, Schwierigkeiten und Nöte des Bruders geht, das hat Paulus erwartet, und er hat damit gerechnet, dass dafür noch genug Zeit, Kraft und Vermögen übrigbleibt. (de Boor)

o    Die Gemeinde soll nicht in solche zerfallen, die andre für sich sorgen lassen, und solche, die alles für die andern hergeben. Betont steht in der Mahnung das „jeder“. Wenn aber so „jeder“ auch an den andern denkt, dann wird keiner zu kurz kommen und keiner überlastet werden. (de Boor)

o    Hier geschieht das Merkwürdige, dass dies Stück „christliche Ethik“ auf einmal einmündet in eines der wichtigsten Stücke „Dogmatik“, die wir im Neuen Testament haben, dass diese Anweisungen zur konkreten Gestaltung des Gemeindelebens enden in der anbetenden Schilderung Jesu! (de Boor)

o    Unsere Theologie darf es nie vergessen: Diese Sätze (5ff) über Jesus … hat ein Mann diktiert, der um die rechte Eintracht seiner Brüder in Demut und Liebe rang. (de Boor)

o    Daher geht es in den folgenden berühmten Zeilen (die jeder Christ auswendig können sollte) gar nicht um die Lösung theoretisch-theologischer Probleme. Wir lesen sie dann richtig, wenn unser selbstsüchtiges und eitles Herz erschüttert wird von dem Weg, den Jesus ging, und wenn dies Herz dann, überwunden von der Liebe Jesu, in anbetender Dankbarkeit willig die gleiche Wegrichtung einschlägt. (de Boor)