35-5 Mit Freuden Wasser schöpfen – Jes 12,1-6

Downloadlink: 35-5 Mit Freuden Wasser schöpfen – Jes 12,1-6

Jes 12,1-6

1.    Exegese

1.1 Schreibe den Text ab und finde heraus wer handelt (evt. handeln soll) und Was Warum gemacht wird (werden soll)!

1.2 Beantworte folgende Fragen zum Text:

  • Wer war Jesaja und in welcher Zeit lebte er?
    • Zu was für einer literarischen Gattung gehört unser Text?
  • Wer wird etwas „sagen“? Wer ist mit dem „du“ gemeint? 1
    • Um welche Zeit / welchen Tag geht es hier?
  • Warum übersetzen verschiedene Bibel verschieden: „ich danke oder preise oder bekenne Dich“?
    • Wofür „dankt“ der Beter / Sänger?
    • Worüber war Gott zornig?
  • Was ist unter „Trost“ zu verstehen?
    • Wie tröstete Gott sein Volk?
  • Beachte die Betonung mit „Siehe!“ 2
    • Woran erinnert dich der Vers 2?
  • Was ist mit „Heil“ gemeint? Beachte die Wiederholung!
    • Woher kommt die „Sicherheit“?
    • Wovor könnte man sich fürchten?
  • Was ist mit „mein Psalm“ gemeint?
    • Warum wird Gott als „Stärke, Psalm und Heil“ bekannt?
  • Was ist ein „Heilsbrunnen“? 3
  • Warum werden sie „mit Freuden“ arbeiten – Wasser schöpfen?
    • Wozu werden sie Wasser schöpfen?
    • Ist die bildhafte Rede oder direkte?
  • Wer wird etwas „sagen“? Wer ist mit dem „ihr“ gemeint? 4
    • Um welche Zeit / welchen Tag geht es hier?
  • Woher kommt das Zitat: „Danket dem Herrn, …“?
    • Um welche Situation geht es dort?
  • Warum übersetzen verschiedene Bibeln verschieden: „danket oder preiset oder bekennet den Herrn“?
    • Wofür soll gedankt werden?
    • Was ist mit „Machet kund unter den Völkern Sein Tun“ gemeint?
    • Was soll „verkündigt“ werden?
  • Warum ist Gottes Name „so hoch“?
    • Wie lautet Gottes Name und was bedeutet er?
  • Wie hat Jahwe sich „herrlich bewiesen“? 5
    • Warum soll deshalb gesungen werden?
    • Beachte das Bindewort „denn“!
  • Was ist mit „Solches“ gemeint?
    • Wie sollte es zur Zeit Jesajas den Völkern kund gemacht werden?
  • Wer ist mit „Tochter Zion“ gemeint? 6
    • Was ist der Unterschied zwischen „lobsingen“, „jauchzen“ und „rühmen“?
  • Beachte das begründende Bindewort „denn“!
    • Woran sieht man, dass „der Heilige Israels groß bei dir ist“?
  • Was wollte Jesaja seinen Landsleuten mit diesen zwei Liedern sagen?

1.3 Gliedere den Text in Abschnitte und gib Überschriften

o

o

o

o

1.4 Formuliere den Hauptgedanken des Textes in einem Satz!

Etwa so: Der Autor wollte seinen Lesern sagen, …

o

1.5 Verschiedene Vorschläge zum Text:

1.5.1     Für die Gliederung

1.5.2     Für den Hauptgedanken

hier

1.6 Neutestamentliche Gedanken

o    Jesus = Gottes Hilfe, Gottes Heil

o    Jesus, der Retter aus der Not

o    Jesus, das lebendige Wasser – Wasser des Lebens

o    Einladung zum Schöpfen „umsonst“                                   Offb 21,6; 22,17

2     Homiletik

2.1 Wo trifft der Hauptgedanke des Textes das Leben meiner Gemeinde?

Formuliere ein Predigtziel als Satz!

o

2.2 Plane / gliedere einen Weg zu deinem Predigtziel!

o

o

o

o

2.3 Verschiedene Vorschläge zur Predigt:

hier

2.4 Sammle Beispiele, Zitate und Anwendungsideen:

  • In der Vorausschau („an jenem Tag“ -1+4) wird davon gesprochen, dass ein einzelner (1) oder mehrere (4) ein Danklied singen werden (1b-2) bzw. einen Hymnus (4-5) und es wird im Blick auf diese Zukunft (3) heute schon zum Gotteslob aufgerufen. (Voigt)
  • Geprägte Formen werden frei angewandt. Angeredet wird insgesamt die „Bürgerschaft Zions“ (6), auf die „du“ und „ihr“ gleicherweise passt. (Voigt)
  • „Jener Tag“ (1), den Gott schon kennt, wird nach alttestamentlicher Auffassung ein Tag in diesem Weltlauf sein, noch ist ja der mit Jesu Auferstehung geschaffene, neue Horizont nicht aufgerissen. (Voigt)
  • “Trösten“ (1) meint „helfen“ (Ps 86,17), oder „zu Ehren bringen“ (Ps 71,21), also nicht nur „gut zureden“. “Trösten“ (1)
  • Die erste Sammlung von Jesajatexten (Kap. 1-12) schließt mit einem Psalm, wie ist das möglich und zu verstehen? Gotteslob in einer Zeit, in der der Prophet überwiegend Unheil hat verkündigen müssen. … Die Gemeinde singt! Sie hat das immer getan. (Voigt)
  • Der Psalmgesang hatte eine zweistimmige Melodie mit Instrumentenbegleitung. … Der aus der alten Kirche stammende gregorianische Gesang ist einstimmig, instrumentenfrei, durch die Kirchentonarten bestimmt. … Unser strophisches Kirchenlied ist uns geläufig, ebenso das – vielgestaltige – Neue, das unter uns aufkeimt. (Voigt)
  • Kein Stil kirchlichen Singens ist der Stil aller Stile; die Gemeinde wird weder auf Altes verzichten – denn sie weiß sich in der Kontinuität des Glaubens und Lebens mit den Vätern – noch sich gegen Neues versperren – denn sie will ihren Glauben auf neue Weise Ausdruck geben. (Voigt)
  • „Loben“, „bekennen“, „danken“ (1) – im Deutschen drei verschiedene Wörter, im Hebräischen ein- und dasselbe Wort. … Was haben diese drei Wörter miteinander zu tun? Sehr viel: Wer einen Menschen oder Gott wegen einer bestimmten Tat lobt, sagt zu dieser Tat ja. Er stimmt ihr zu, erkennt und anerkennt sie, bekennt ihre Richtigkeit. Und wenn er gedanklich einen Schritt weiter geht, mag er feststellen, dass die Tat nicht selbstverständlich ist, und wenn sie für ihn geschehen ist, dankt (Gradwohl)
  • Schwingen in jedem Fall alle drei Bedeutungen mit? Wenn Gutes sich ereignet, ganz sicher (z.B. Ps 92). … In unserem Vers 1 ist deutlich, dass das Lob Gottes mit der Tatsache des göttlichen Zorns zusammenhängt. Also auch in schlimmer Zeit soll der Lobpreis Gottes nicht aufhören. Die Weisen des Talmud sagen: Gerade in der schweren Stunde, wenn sich das Herz vor lauter Kummer verkrampft, sind Lob, Bekenntnis und Dank genauso am Platz. (Gradwohl)
  • Die Leiden müssen in Freude angenommen werden, sagt Rawa und Akiba fügt hinzu: Immer gewöhne sich ein Mensch zu sagen: Alles, was der Barmherzige tut, tut Er zum Guten. (Gradwohl)
  • „Zu der Zeit (Tag) wirst du sagen“ (1). An welchem Tag? „Am Tag der Rettung“, da die Verbannten heimkehren (11,10ff), mehr noch (10,12): am Tag, da die in „die vier Enden der Erde“ Vertriebenen aus Israel und Juda „eingesammelt werden“ durch Gottes machtvolles Eingreifen. (Gradwohl)
  • Jesaja verkündigt diese umfassende Wiederkunft, er erlebt sie aber nicht. Erst nach dem Babylonischen Exil – in den Tagen des Perserkönigs Kyros (nach 538 v.Chr.) erfüllt sich das Prophetenwort. Und selbst dann nicht in seiner ganzen Größe. Die 722 v.Chr. durch Assyrien vertriebenen Bewohner des Nordreichs Israel verschwinden in der Ferne, nur wenige finden den Weg in die alte Heimat. (Gradwohl)
  • „An jenem Tag“ sind jedoch die Ereignisse so überwältigend, dass ein Lobpreis des Herrn wie von selbst aus dem Herzen steigt: „Ich will dich loben, Herr.“ Der Grund steht am Schluss von V. 1: „Du wirst mich trösten.“ (Gradwohl)
  • Trost, seelische Aufrichtung bewirkt das Unwahrscheinliche: Die Not des Exils und seine Schrecken werden mit der Zeit überwunden werden. „Ich will dich loben (bekennen und danken), Herr“. (Gradwohl)
  • Grammatisch richtiger wäre folgende Übersetzung von Vers 1: „Ich will dich loben Herr, denn Du hast mir gezürnt. Es möge sich wenden Dein Zorn, und Du wirst mich trösten“. (Gradwohl)
  • Jes 12 enthält zwei Danklieder (1-3 und 4-6). (Gradwohl)
  • Im strukturellen Aufbau entsprechen sich die beiden Gesänge:
  1. Lied
  1. Lied
Zeitpunkt An jenem Tage -1 An jenem Tage -4
Aufforderung Ich will dich loben -1 Lobet den Herrn -4
Begründung Denn Du hast gezürnt -1 Denn Hohes hat Er getan -5
Inhalt des Lobs Gott ist meine Hilfe -2 Erhaben ist Sein Name -4
Zusage Ihr werdet schöpfen -3 Groß ist in deiner Mitte der Heilige Israels -6

 

  • Aufforderung und Begründung sind beim Lobpreis wichtig, wie andere Beispiele zeigen (Ps 106,1; 107,1). Gelegentlich fehlt die Aufforderung, weil die Bereitschaft zum Loben bereits gegeben ist (Jes 25,1; Ps 118,21; 139,14). Aufgrund der Erfahrung weiß der Lobende, dass Gottes Beistand nie ausbleiben wird. (Gradwohl)
  • Im Vers 2 fällt sofort die Assoziation zum Schilfmeerlied in 2Mo 15 auf. (Gradwohl)
  • Weshalb ist in unserem Vers 2 – anders als 2Mo 15,2 – das Wort „der Herr“ beigegeben? Luzzatto meint: „Jesaja, in dessen Zeit die Judäer bereits mit dem Buhlen nach fremden Göttern begonnen hatten, sagt – im Gegensatz zu Mose und David (Ps 118,14): Keiner soll glauben, der gütige Gott sei ein Privatgott, geschieden vom Gott Israels, der „Adonai“ genannt wird. (Gradwohl)
  • Wem Gott beisteht, dem ist das Vertrauen wieder geschenkt worden und die Angst genommen. (Gradwohl)
  • Das wahre Vertrauen besteht darin, dass der Vertrauende keinerlei Erschütterung verspürt. Wenn Gott zur Seite steht, erübrigt sich das Verzagen. (Gradwohl)
  • Dreimal kehrt im ersten Lobgesang das Wort „Hilfe/Heil“ (j’schu’a à Jesus) wieder. Dem Hörer des Lob- und Bekenntnislieds soll eingeschärft werden, dass all das wunderbare Geschehen sich nur dank der Gotteshilfe vollziehen konnte. (Gradwohl)
  • Jahwe schafft nicht nur Hilfe (2), Er ist die Hilfe, Heil, Rettung (Nominalsatz). (Voigt)
  • „Quellen der Hilfe“ (Luther: Heilsbrunnen) Das sind zunächst einmal jene Quellen, die dem Land und seiner Vegetation Fruchtbarkeit und Leben schenken. (Gradwohl)
  • Das zukünftige Wasser aus den „Quellen der Hilfe“ ist späteren Auslegern die mit dem Lebenswasser verglichene Thora, Gottes Weisung. (Gradwohl)
  • Jeremia (2,13) bezeichnet Gott als „Quelle des lebenden Wassers“. Die Götter sind „zerbrochene Zisternen, die das Wasser nicht zu halten vermögen. (Gradwohl)
  • Aus den „Quellen der Hilfe“, nicht aus Zisternen (die nur stehendes Wasser enthalten), dürfen die Geretteten Wasser schöpfen. (Gradwohl)
  • Die Verse 2+3 werden im jüdischen Brauchtum bei der „Hawdalá“ (Trennung, Scheidung), dem Gebet am Ausgang des Sabbats, gesprochen. Der Sabbat wird von den beginnenden Arbeitstagen „geschieden“. Während des Gebets brennt eine geflochtene Kerze, die eine große Flamme erzeugt – Symbol des „Lichts“, das Gott am ersten Schöpfungstag erschuf (1Mo 1,3), und zugleich Zeichen der Arbeit mit ihrer Feuererzeugung und-Verwendung, die nach dem Sabbat wieder erlaubt ist. Auf den Segen über Wein oder Saft folgt der Segen über wohlriechende Gewürze. Mit Freude und einem guten Geruch beginnt die neue Woche. Die Worte aus Jes 12 bestärken die Zuversicht: „Gott ist meine Hilfe“. (Gradwohl)
  • „An jenem Tag“ ist nach Saadia und Chacham nicht der Tag der Rettung, vielmehr der Tag des Wasserschöpfens. Das zweite Lied ist, wenn dieses Textverständnis zutrifft, das eigentliche Wasserschöpflied. Der grammatikalische Befund unterstützt diese Annahme. (Gradwohl)
  • Das „Schöpfen“ (3) und das „Sprechen“ (4) geschehen zu demselben Zeitpunkt. … Das zweite Lied hat ein Parallele in Ps 105,1ff (1Chr 16,8ff): Vers 4 zu Ps 105,1+5; Vers 5 zu Ps 105,2. Es ist anzunehmen, dass der Gesang beim Wasserschöpfen den ganzen Psalm umschließt, nicht nur die Überschrift. Vers 4 teilt demnach mit, dass die Lobenden jenes Lied singen. (Gradwohl)
  • 1Chr 16,1-7 stellt das Lied in einen geschichtlichen Rahmen. König David sagte es, als er die Bundeslade ins Zelt auf dem Zion bringen ließ. Es geschah „an jenem Tag“ (7), da sich eine Hoffnung Davids erfüllte. Es geschieht, so lässt unser Text uns wissen, auch „an jenem Tag, da für Israel eine große Hoffnung – die Rettung aus der Not – in Erfüllung gehen wird. (Gradwohl)
  • Das „Anrufen Seines Namens“ (4) kann auch als ein Verkünden des Gottesnamens innerhalb der Völkerwelt verstanden werden. Bei diesem Verkünden stünde das „Kundtun Seiner Taten“ (4b) im Mittelpunkt. (Gradwohl)
  • „Mit Namen anrufen“ (4): Kennt man den Namen, hat man Zugang zu dem Angerufenen (2Mo 32,3ff; Ri 3,17). Zugleich kann die Formel aber besagen: (preisend) den Namen ausrufen. Die „Völker“ sollen den Lobpreis Gottes hören. … Verkündet werden „die großen Taten“ (Apg 2,11), also – nach Ps 105 – das Geschichtshandeln Gottes. (Voigt)
  • Das „bekanntmachen geschieht im Singen (5) über Gottes „Hoheit“ und „Majestät“, hier werden konkret die Seine Hoheit bekundenden Taten besungen. (nach Voigt)
  • Den Grund für des Volkes Lob und Dank nennt Vers 5: „denn Hohes hat Er getan“. Man erinnert sich an 2Mo 15,1. (Gradwohl)
  • Nach Vers 5c ist Gottes Erhabenheit, obwohl „bekannt auf der ganzen Erde“, doch immer wieder „mitteilungswert“. Wenn Vers 4 zum „Verkünden Seiner Taten“ auffordert, soll das „Bekannte“ nur noch stärker hervorgehoben werden. (Gradwohl)
  • Vers 6 enthält die Zusage, die für immer gültig bleibt: Zions Bewohner werden jubeln, weil der „Heilige Israels“ groß in ihrer Mitte ist. Die Entfremdung Gottes von Israel ist gebannt. Er „wohnt“ in Zion (Joel 4,17.21), „wohnt in Jerusalem“ (Ps 135,21), wie Er in 4Mo 35,34 „inmitten des Landes“ und „inmitten der Israeliten“ wohnt. Gegen den „Heiligen Israels“ kann keine Macht auf Erden ankommen. (Gradwohl)
  • Nicht nur die Israeliten sollen es kennen, sondern alle Menschen. „Seine Taten“ haben sich in Israel manifestiert, aber Gott zeigt Seine Größe auch anderen Nationen, die zu Ihm, dem einzig machtvollen Gott, finden sollen. Sie sprechen dann – wie Jetro (2Mo 18,11) mit seinem „jetzt weiß ich, dass der Herr größer ist als alle Götter …“ – das Bekenntnis zu Gott aus, dessen Tun auch ihnen „bekannt“ sein wird. (Gradwohl) Auch Gottes Tun in Jesus zählt dazu!
  • Nicht zufällig spricht Vers 3 von „den“ Quellen – es gibt nicht nur eine einzige, es gibt viele Quellen, die alle frisches, ungetrübtes Wasser sprudeln lassen. (Gradwohl)
  • Aus reinen Quellen schöpfen und trinken, „mit Jubel“ und tiefer Zufriedenheit, dies ist die Losung des Textes. Jeder Mensch muss versuchen, die Quellen seines Lebens zu entdecken und zu nutzen, weil nur aus einer Quelle wirkliche Lebenskraft erwächst. (Gradwohl)

 

  • Entsteht Glauben aus der Begegnung mit Gott, dann wird es zum Singen kommen. … Gottes Wort ruft Ant-wort hervor. Drängt es uns nicht zum Antwortgeben, dann haben wir wahrscheinlich die an uns ergangene Anrede noch gar nicht vernommen. Die Antwort wiederum wird, wenn wir recht gehört haben, aus dem ganzen Menschen kommen. Nicht etwa nur aus dem zustimmenden Intellekt. Sie will selbstverständlich auch in Taten bestehen. Aber mit einer isolierten Geschäftigkeit allein wäre dem Reden Gottes auch nicht richtig entsprochen. (Voigt)
  • Haben wir unsern Gott und Herrn verstanden, dann wollen wir Ihm Antwort geben mit allem, was wir sind, auch mit unseren Emotionen, auch mit unserer Leibhaftigkeit, mit Stimme, Artikulation, Atem und, wo es sein kann, auch mit unserer Bewegung. Singen ist auf jeden Fall ganzheitliches Geschehen. … Wie es überhaupt im Reich Gottes ist, so auch hier, man muss es nicht können. Gott lässt sich, wenn wir’s nicht besser zustande bringen, auch die falschen Töne und den kurzen Atem gefallen. (Voigt)
  • Gottes „Taten“, das „Große“, das Er getan hat (4f) machen uns singen. Damit ist zugleich der Maßstab angegeben, nach dem alles Singen in der Kirche zu beurteilen ist. Gottes „Name“, Gottes „große Taten“, mit denen Er uns segnete, sind Ursprung und Gegenstand unseres Singens. (Voigt)
  • „Bekanntmachen“ (4) ist, wie der hebräische Wortstamm ausweist, sehr oft einfach ein „Erinnern“. Der Glaube hat es zwar mit Gott in diesem Augenblick zu tun, aber er denkt dabei an Gottes Tun auch in vergangener Zeit und an das, worin Er sich herrlich bewiesen hat. (Voigt)
  • Gegenwärtiger Glaube nimmt auch gern die Glaubensformulierungen früherer Beter- und Sängergenerationen auf und kleidet in sie sein eigenes Lob und Bekenntnis. Es drängt ihn auch, Gott mit seinem „neuen Lied“ zu loben (Ps 33,3; 40,4; 96,1; 98,1; 149,1) (Voigt)
  • In den Formulierungen der „Alten“ hat nicht der einzelne das Wort – mit seinen vielleicht bescheidenen geistlichen Erfahrungen, mit seinen über- oder unterschätzten Nöten, mit seinen persönlichen Wünschen und Hoffnungen -, sondern hier betet die Kirche mit ihren sehr viel größeren Erfahrungen und Einsichten und mit der Glaubenserkenntnis, die sie als ganze gewonnen und von einer Generation zur anderen weitergegeben hat. (Voigt)
  • Ein „eschatologisches Danklied“. Ein Psalm also, der eigentlich nicht für die gegenwärtige Stunde gedacht ist, sondern für eine „Zeit“, von der bisher kein Mensch sagen kann, wann sie anbrechen wird. Kap. 11 hat schon auf diese Zeit vorausgeschaut. Nun wird formuliert, was die Gemeinde Gottes dann singen wird. (Voigt)
  • Der Psalm schaut über den gegenwärtigen Augenblick hinaus, und es muss dafür Gründe geben. Die vorausgenommene Rückschau gibt sie an. Der Herr hat sich herrlich erwiesen, Er wird das auch künftig tun, denn was Israel von und mit seinem Gott erfahren hat, das bleibt in Geltung und Kraft. Der Blick in die Vergangenheit rechtfertigt die glaubende und hoffende Vorausnahme dieser Zukunft. (Voigt)
  • Glaube ist immer auch Hoffnung. Wer in gewisser Hoffnung lebt, für den ist auch eine Situation wie die zu Jesajas Zeit schon überwunden (Ps 42,6.12; 43.5). Wer weiß: „ich werde Ihm noch danken“, hat in jedem Fall das Schlimmste hinter sich. (Voigt)
  • Nicht, dass der Hoffende Gottes Zorn als Täuschung ansähe. … Gott kann zürnen. Die Menschheit gibt Ihm auch genügend Anlass dazu. Das Evangelium sagt nicht, die Vorstellung vom zürnenden Gott sei eine irrige Vorstellung, sondern es sagt, dass Gottes Zorn, gerade indem Er ganz ernst genommen wurde, überwunden ist. … Keiner weiß so gut, was es mit dem Zorn Gottes auf sich hat, wie Der, der ihn zu unseren Gunsten erlitt. (Voigt)
  • Gerade der Glaube begreift die Notwendigkeit des Zornes Gottes (1a). Denkt man über den gegenwärtigen Augenblick hinaus, dann bekommt der Zorn Sinn. Der Glaube nimmt das „Danach“ (Herb 12,11) vorweg. … Ich begreife seinen Sinn, ich bejahe ihn, stelle mich drunter, ich muss dem zürnenden Gott – gegen mich selbst – recht geben. (Voigt)
  • Ich muss sozusagen für den zürnenden Gott Partei ergreifen. Indem es dazu kommt, ist der Zorn schon nicht mehr die mir verhasste Gegenwirkung gegen mein böses Wesen. Was mir widerfährt, wird mir zum „Kreuz“, dass ich willentlich übernehme. (Voigt)
  • Mag sein, es tut auch dann noch weh; aber es hat seine Bitterkeit verloren, denn Gott ist nicht mehr mein Widersacher, ich stimme Ihm ja zu. (Voigt)
  • Wir werden eines Tages darauf zurückblicken, dass Gottes Zorn sich „gewendet hat“ (Ps 30,6; Jes 54,7). (Voigt)
  • Der Psalm wendet sich nun ganz Gott-selbst zu (2). Nicht: was habe ich von Dir? Sondern: was bist Du mir, was wirst Du mir sein? Der Text spricht in Nominalsätzen. (Voigt)
  • Man singt für Gott, in der Freude an Gott, in der Hinwendung zu Ihm und in der Hingabe an Ihn. Man fragt nicht mehr, was bei Gott zu gewinnen und zu „holen“ ist. Er allein ist wichtig. (Voigt)
  • Gott wird gepriesen um Gottes willen (2), nicht um unsertwillen. Das zweckfreie Tun des Lobens und Rühmens ist weit davon entfernt, mit Gott Geschäfte zu machen. (Voigt)
  • Wir können Seine Majestät und Herrlichkeit durch unser Lob nicht vergrößern, und Gott bedarf unser Lob nicht. Wir können Ihm nichts geben, was Er nicht schon hätte. Wir sind es ja, die immer nur von Ihm empfangen (Apg 17,25). Unser Gotteslob bewirkt nichts. (Voigt)
  • Nicht ich dichte, komponiere, singe einen Lobgesang für Gott, sondern Er selbst weckt in ihn mir, nein: Er ist sogar der Lobgesang selbst. Haben wir einen Menschen besonders lieb, dann müssen wir es ihm sagen: der geliebte Mensch selbst bringt in uns das Lob zum Klingen. Unser Singen entsteht wie von allein aus der Gottesfreude. (Voigt)
  • Fast könnte man formulieren: „so singe denn nicht mehr ich, sondern Christus singt in mir“ (nach Gal 2,20). Was die Gemeinde singt, ist „geistgewirkt“ (Kol 3,16). (Voigt)
  • Was ich brauche: Gott ist es, und zwar für mich. … Ich habe Zutrauen und brauche nicht zu zittern“ – nicht, weil ich so unerschütterlich dastehe, sondern weil Gott so zu mir steht. (Voigt)
  • An der Lebensfreude des Laubhüttenfestes mag man es sich klarmachen, was es heißt: „mit Freuden Wasser schöpfen aus dem Heilsbrunnen“ (3). Wir verstehen die Symbolik: wo Wasser ist, keimt, reift, fruchtet das Leben. Gott will uns, indem Er Selbst uns wichtig wird, nicht arm machen. Schenkt Er uns in Christus sich Selbst, so schenkt Er uns eben damit – alles (Röm 8,32). (Voigt)
  • Das der „Heilige Israels“ groß ist „bei dir“, also auf dem Zion (6), dem Ort Seiner Gegenwart und Offenbarung, bedeutet zwar Konzentration – hier kennt man Ihn, hier ist Er zu finden -, aber verpflichtet zugleich zur Expansion im missionarischen Sinne. (Voigt)
  • In „Seinem Namen“ hat Gott sich zu erkennen gegeben, sich unverwechselbar gemacht, sich ansprechbar gemacht. (Voigt)
  • Könnte es nicht viele geben, die gar nicht vor Gott und Seinem Wort fliehen, sondern vor unserer wenig überzeugenden Weise, es auszurichten? (Voigt)
  • Sagt die Musik des Lobes und der Anbetung besser, verständlicher, glaubwürdiger, was zu sagen ist, als wir? (Voigt)
  • Auf alle Fälle darf die Kirche nicht für sich behalten, was sie von Gott weiß und was sie mit Ihm erlebt hat. (Voigt)
  • Je mehr wir selbst von dem erfasst haben, was wir Gott verdanken, desto mehr werden wir zur singenden Kirche werden. (Voigt)
  • Zuletzt sei daran erinnert, dass Jes 12 ein Psalm ist, der „zu dieser Zeit“, also in der Heilszeit gesungen werden wird, auf die die Gemeinde wartet. (Voigt)
  • Die Lobgesänge der christlichen Gemeinde, die in die Apokalypse eingegangen sind, stellen sich dar als Lied der Himmlischen und Vollendeten, sind aber zugleich liturgisches Gut der Gemeinden Kleinasiens. (Voigt)
  • Unser Gotteslob greift fröhlich nach Zukünftigem, und das Zukünftige wird in ihm heute schon wirksam. (Voigt)
  • Sei auch du ein Wartender, ein Psalmschreiber, der sich im Kommenden zu Hause weiß, obwohl dieses Kommende, äußerlich gesehen, noch auf sich warten lässt. (nach Voigt)
  • Der Glaube weiß mehr. (Urie)
  • Glaube ist der Vogel welcher singt, wenn die Nacht noch dunkel ist.
Werbeanzeigen