59-5 Die zehn Gebote – 2Mo 20,1-17

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2Mo 20,1-17

1.    Exegese

1.1 Schreibe den Text ab und finde heraus wer handelt (evt. handeln soll) und Was Warum gemacht wird (werden soll)!

1.2 Beantworte folgende Fragen zum Text:

  • In welchem Textzusammenhang steht unser Text?
  • Was bedeutet diese Einleitung im Vers 1? 1
    • Um welche Worte geht es konkret?
  • Wer ist mit dem „HERRN“ gemeint? 2
  • Was will die Wendung „dein Gott“ dem Volk sagen?
    • Warum ist Jahwe Israels Gott?
    • Ist Jahwe nur Israels Gott?
  • Was war in Ägypten in den letzten Jahrzenten los?
    • Wie sah damals „Knechtschaft“ aus?
  • „Du sollst“ – Was bedeuten diese Worte? 3
    • Kann man sie auch als „du darfst“, „du solltest“ oder „du wirst“ verstehen?
  • Was für andere Götter gab es damals, gibt es heute?
    • Warum sind sie dem Volk Gottes gefährlich?
    • Gibt es überhaupt andere Götter?
  • Was meint „neben mir“?
  • Warum kein „Bildnis oder Gleichnis“ machen? 4
  • Wie bzw. wann „betet man an“? 5
    • Was ist Anbetung?
    • Was ist mit „diene ihnen nicht“ gemeint?
  • Beachte das Bindewort „denn“!
  • Was sind die Kennzeichen von Eifersucht?
    • Was meint: Gott ist ein „eifernder Gott“?
  • Bezieht sich „die mich hassen“ auf die Väter oder auf die Kinder?
  • Beachte den Gegensatz „aber“! 6
  • Was ist Barmherzigkeit?
  • Bezieht sich „die mich lieben“ auf die Väter oder die Kinder?
  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen „Mich lieben“ und „Meine Gebote halten?
  • Warum legt Gott auf Seinen Namen solch einen Wert? 7
    • Wie lautet Gottes Name und was bedeutet er?
    • Wie kann man Seinen Namen missbrauchen?
    • Warum droht Gott hier Strafe an?
  • Warum ist der Sabbat ein besonderer Tag? 8-10
    • Warum halten wir Christen nicht den Sabbat (Samstag)?
  • Was ist „gedenken“? – Wie „gedenkt“ man?
    • Wie kann man einen Tag „heiligen“?
    • Was ist heiligen?
  • Darf man am Sabbat gar nichts tun?
  • Beachte das begründende Bindewort: „denn“! 11
    • Was soll dadurch gesagt werden?
  • Beachte das „darum“!
    • Warum ist der Sabbat ein besonderer Tag?
    • Beachte die Wiederholung: „heiligte“!
  • Was ist „ehren“? – Wie ehrt man die Eltern? 12
  • Ist die Verheißung „ein langes Leben“ oder ein langes Bleiben „im (verheißenen) Land“?
    • Warum verknüpft Gott die Ehre der Eltern mit dieser Verheißung?
  • Geht es hier um jegliches töten? 13
  • Wann ist eine Ehe „gebrochen“? 14
  • Um welches Stehlen geht es in diesem Gebot? 15
  • Wer ist mit dem „Nächsten gemeint? 16
    • Gibt es einen Unterschied zwischen „lügen“ und „falsch Zeugnis reden“?
  • Wie ist das Wort „begehren“ zu verstehen? 17
    • Warum verbietet Gott es?
  • Warum wurden all diese Gebote in der Bibel festgehalten?

1.3 Gliedere den Text in Abschnitte und gib Überschriften

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1.4 Formuliere den Hauptgedanken des Textes in einem Satz!

Etwa so: Der Autor wollte seinen Lesern sagen, …

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1.5 Verschiedene Vorschläge zum Text:

1.5.1     Für die Gliederung

1.5.2     Für den Hauptgedanken

hier

2     Neutestamentliche Gedanken

o    Gesetz und Evangelium

o    Rettung aus der Knechtschaft der Sünde

o    Das Gesetz des Geistes

o    Jesu Auslegung in der Bergpredigt – Mt 5-7

o    Luthers Katechismus

3     Homiletik

3.1 Wo trifft der Hauptgedanke des Textes das Leben meiner Gemeinde?

Formuliere ein Predigtziel als Satz!

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3.2 Plane / gliedere einen Weg zu deinem Predigtziel!

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3.3 Verschiedene Vorschläge zur Predigt:

hier

3.4 Sammle Beispiele, Zitate und Anwendungsideen:

  • Die traditionelle jüdische Einteilung unterscheidet sich von der christlichen (auch jener der Biblia Heraica, die auf die Septuaginta zurückgeht). … Die folgende Tabelle zeigt die jüdische Version, und macht zugleich deutlich, dass die beiden Tafeln „horizontal“ verglichen werden können. (Gradwohl)

 

Erste Tafel (1-5) Zweite Tafel (6-10 Kommentar
I (V2) Ich bin der Herr, dein Gott VI (V13) Morde nicht! „Jeder der Blut vergießt, hat Gottes Gestalt gemindert“ (1Mo 9,6: Ebenbildlichkeit)
II (V 3-6) Verbot fremder Götter VII (V14) Brich die Ehe nicht! „Jeder, der Götzen dient, hat an Gott Treuebruch verübt.“
III (V7) Erhebe nicht den Namen des Herrn … zum Falschen VIII (V15) Stiehl nicht! Zu einem falschen Schwur kommt, wer stiehlt.
IV (V 8-11) Sabbatgebot IX (16) Sag nicht aus … als Zeuge der Lüge Wer den Sabbat entweiht, bestreitet Gottes Weltschöpfung
V (V12) Ehre deinen Vater und deine Mutter X (V17) Begehre nicht! Wer begehrt, wird einen Sohn haben, der ihm flucht und andere ehrt, die nicht seine Eltern sind.

 

  • Im AT finden sich außer dem Dekalog (10 Gebote) noch andere festgeprägte Gebotsreihen (5Mo 27,15ff; 3Mo 19,13-19; 2Mo 21,12.15-17). Dem Dekalog, im AT als „die Zehn Worte“ bezeichnet (34,28; 5Mo 4,13; 10,4), kommt aber dabei eine besondere Bedeutung zu. (Voigt)
  • Die Gebote sind nicht bloß zeitlich geltendes Gottesrecht, sondern der Gehorsamsanspruch des Bundesgottes wurde aktuell über jeder Generation erneuert (5Mo 31,10f), als wäre sie die Generation des Auszugs (5Mo 5,2-4; 29,10ff). (Voigt)
  • Es handelt sich um apodiktisches, also situationslos proklamiertes und immer wieder unbedingt geltend gemachtes Gottesrecht. (Voigt)
  • „Und Gott redete“ (1) erinnert an „Und Gott sprach“ (1Mo 1,3). (Gradwohl)
  • Die Selbstvorstellungsformel (2) ist wichtig in einer Zeit, in der man die Götter anderer Völker noch nicht als nichtexistent ansah. (Voigt)
  • Im Namen (7) ist der Namensträger anwesend! (Voigt)
  • „Gedenken“ (8) = nicht übersehen = halten (Voigt)
  • Angeredet (12) sind erwachsene Kinder, die ihre alten Eltern ehren sollen. (Voigt)
  • „Totschlagen“ (13) – Die Todesstrafe vollstrecken und im Krieg töten würde anders ausgedrückt werden. (Voigt)
  • „stehlen“ – Ursprünglich dürfte an den Raub von Menschen gedacht sein (1Mo 40,15; 2Mo 21,16; 5Mo 24,7). (Voigt)
  • „Begehren“ bedeutet immer auch „sich bemächtigen“. (Voigt)

 

  • Die Urchristenheit hat den Dekalog im Ohr (Jak 2,22; Röm 7,7). Und zwar nicht im Sinne des „Gesetzes“, das nur dazu da ist, die Sünde aufzudecken, ja zu steigern und die Eigenmächtigkeit des auf sich selbst gestellten Menschen ad absurdum zu führen, sondern im Sinne des Gebotes, das heilig, gerecht und gut ist (Röm 7,12) und in dem christliches Leben seine Gestalt gewinnt. (Voigt)
  • Es werden nur besonders krasse Versündigungen genannt, Zeichen gesetzt, an denen zu erkennen ist, wo die Verbundenheit mit dem Gott Israels verleugnet und zerbrochen ist. (Voigt)
  • Die Imperative sind nicht mit „al“ verneint, wie man erwarten sollte, sondern mit „lo“. Es wird also nicht gewarnt und verwehrt, sondern deklariert: „Das gibt es nicht, dass du tötest, die Ehe brichst, oder stiehlst.“ (Voigt)
  • Der Dekalog ist wie ein Tafelberg: An den Rändern steile Abstürze, aber oben ein großes Plateau, auf dem man sich frei bewegt. (Voigt)
  • Der Dekalog lässt Spielraum für eigene sittliche Entscheidungen. … Er bestimmt die Richtung, in der man eigene Entscheidungen zu fällen hat. (Voigt)
  • Auch Jesus füllt den Freiraum nicht mit Gesetzen, sondern fragt – und das allerdings unerbittlich scharf – nach dem, was sich auf dem Grund des Herzens findet. (Voigt)
  • Im Dekalog handelt sich nicht um Ratschläge und Anregungen, sondern wirklich um Gebote. … Wir meinen damit tatsächlich den souveränen gebieterischen Willen, der über uns ist. Das Zeremoniell des Bundeserneuerungsfestes von Sichem lässt erkennen, dass hier heiliger Wille sich kundtut und respektiert, mehr noch, befolgt sein will. (Voigt)
  • Die Gebote sind so weit gefasst, dass man ihnen sozusagen „erfinderisch“ gehorchen kann, im eigenen Nachdenken darüber, wie man dem Willen Gottes in der jeweiligen Situation gerecht wird. (Voigt)
  • Gebote sind eingeschlagene Richtungspfähle und unversetzbare Grenzsteine. … Aber wie im Konkreten das Gebot zu erfüllen ist, das haben wir selbst ausfindig zu machen. (Voigt)
  • Gottes gutes Gebot erhält uns am Leben. (Voigt)
  • Die geschaffene Welt Gottes ist in Ordnung verfasst; die gefallene Welt wird durch sie vor dem Schlimmsten bewahrt. In der Natur funktioniert die ihr eingeschaffene Ordnung von allein. Wir sind noch immer dabei, zu lernen, was für Frevel wir begehen, wenn wir den natürlichen Zusammenhang der Dinge stören und die Welt aus dem Gleichgewicht bringen. Was in der Natur kraft der ihr innewohnenden Gesetze funktioniert, hat seine Entsprechung in den den Menschen gegebenen Geboten – nur, dass der Mensch sie in eigener Entscheidung zu befolgen hat. (Voigt)
  • Es bekommt uns gut, wenn wir Gottes Gebote halten! Die Predigt soll Lust dazu machen. (Voigt)
  • Das falsche Zeugnis (16) untergräbt die Glaubwürdigkeit des Redenden, macht ihn bleibend verdächtig, also gemeinschaftsfremd, kreditunwürdig. (Voigt)
  • Man tut gut, im Konfliktfall dem eigenen Herzen und seinen listigen Überlegungen und Winkelzügen zu misstrauen und sich einfach und einfältig an Gottes gutes Gebot zu halten, ohne Wenn und Aber. (Voigt)
  • Das uns bindende Gebot ist Gottes Gebot. Man kann es nur missverstehen, wenn man es nicht von diesem Gesetzgeber her versteht. Man wird, wenn man nur sittliche Grundsätze kennt, aber keinen „Herrn“, nie im eigentlichen Sinne von Gehorsam reden können, sondern höchstens von sachgemäßem Verhalten. (Voigt)
  • Im Dekalog proklamiert Jahwe sein Herrenrecht über sein Volk. (Voigt)
  • Gott will als Gott in unserm Tun und Reden, im Denken und Wünschen, im Hoffen und Vertrauen zu Seinem Recht kommen. „Über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen“ – Luther hat es in meisterhafter Prägnanz ausgesprochen. (Voigt)
  • Gott kommt personenhaft auf uns zu, in ganzer Zuwendung, so also, dass Er selbst Sein ganzes „Herz“ aufschließt und drangibt und darum auch unsere ganze Zuwendung zu Ihm erwarten kann. Hosea spricht von der Leidenschaft eines Liebenden. Das Deuteronomium (5Mo) hat das erste Gebot klassisch interpretiert: „Du sollst Jahwe, deinen Gott liebhaben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele und“ – man erlaube mir die sinn-nächste Übersetzung – „mit aller deiner Vehemenz“ (6,5). (Voigt)
  • Schon Israel wurde vor Einwirkungen, Mächten und Kräften des täglichen Lebens gewarnt, denen man Gutes und Böses, Erfreuliches oder Gefährliches zuschrieb und die neben Gott gesucht, geliebt und gefürchtet wurden. (Voigt)
  • Das erste Gebot ist verletzt, wo Größen aus dem Bereich des Geschaffenen die Bedeutung des Göttlichen erlangen, so dass sie letzter Richtpunkt des Wollens und Tuns, des Begehrens und Hoffens werden. (Voigt)
  • Der Bilderkult (4ff) zwingt der Gottheit die Selbstkundgabe ab, eigenmächtig, magisch. … Ähnlich verhält es sich mit Gottes Namen (7). Sein Missbrauch will Gott die Freiheit nehmen. In Seinem Namen ist aber Gott präsent. In ihm will Er geehrt sein. (Voigt)
  • Der Dekalog will Gottes Hoheitsrecht für den Alltag geltend machen, es gilt für alle Bereiche des Lebens. Darum sind alle Gebote auf das erste wie auf ihr Zentrum bezogen. Oder anders gesagt: Alle Gebote sind Entfaltungen und Auslegungen des ersten Gebots. „Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir …“ Luther hat diesen Bezug mit größter Treffsicherheit und zugleich Einfachheit herausgestellt. (Voigt)
  • Mit unserer Sünde am Mitmenschen treffen wir immer zugleich Gott (Ps 51,6). Was wir unseren Mitmenschen zuliebe oder zuleide tun, sieht der Herr als Ihm selbst angetan an (Mt 25,40; Kol 3,23). (Voigt)
  • Immer ist Gott der Hüter seiner heiligen Ordnungen, als Anwalt meiner Mitmenschen dabei. (Voigt)
  • Wo immer wir in Versuchung sind, Menschen als Mittel für unsere Zwecke zu missbrauchen und Gottes Recht zu unserm Vorteil zu beugen und zu verdrehen, haben wir Gott gegen uns. (Voigt)
  • Der Vergleich zwischen 5b und 6 ergibt, dass das Schwergewicht auf dem Erweis der Barmherzigkeit liegt. Wir haben einen Gott, der Lieber segnet als straft. (Voigt)
  • Wir verstehen oft das Evangelium deshalb nicht, weil wir unbedacht der Meinung sind, das Wort vom „verlorenen und verdammten Menschen“ sei übertrieben und darum nicht sonderlich ernst zu nehmen. Nein, Paulus hat es schon richtig gesehen: dass der im Aufstand gegen Gott befindliche und darum verlorene Mensch aufgefordert wird, das Gesetz Gottes zu halten, ist eine geradezu absurde Paradoxie. – Ganz anders, wenn zwischen Gott und Seinem Volk ein Zustand des Einvernehmens besteht, begründet in Gottes gnädiger Zuwendung. Die „Selbstvorstellungformel“ (2) hat enormes theologisches Gewicht. „Dein Gott“ – darin liegt das Evangelium. (Voigt)
  • „Ich habe dich aus Ägyptenland, aus dem Sklavenhause herausgeholt“ – das ist die alttestamentliche Gestalt des Evangeliums. (Voigt)
  • Israel sieht die Forderungen des Dekalogs als erfüllbar, und zwar als leicht erfüllbar an. Schon wer 5Mo 6,5 ernst nimmt, wird daran zweifeln. Wer wie Jesus auf die Ganzheitlichkeit und Wurzelechtheit des Gehorsams dringt, … der wird wissen, dass keiner von uns mit Gottes Anspruch zurechtkommt. … Es bedarf des neuen Bundes. Hier heißt es: Wer glaubt, der ist gerecht (Röm 10,10). (Voigt)
  • Wer glaubt, wird die Gebote halten, in Freiheit, ohne damit etwas gewinnen oder verdienen zu müssen. (Voigt)
  • Ist der Dekalog Gesetz oder Evangelium? … Maßgeblich für diese Antwort ist nicht, wo der Dekalog steht, sondern wo wir stehen. (Voigt)
  • Was den Bund kennzeichnet, ist die Willensentscheidung Israels, die ihm vorangeht. Die Gemeinschaft wird angefragt, ob sie den Bund einzugehen, Gottes Gebote zu empfangen bereit sei (19,7), und sie gibt eine eindeutige Antwort (8). (Gradwohl)
  • Die Zehn Gebote, die in 2Mo 20,1-17 überliefert sind, bilden nicht den Inhalt des Bundes und nicht die Bedingungen, sondern die Vorrede zum Bund. (Cassuto in Gradwohl) Sie sind Gottes Grundsatzerklärung und daher von universeller Bedeutung. Nicht zufällig werden sie in der Wüste, im Niemandsland, verkündet. (Gradwohl)
  • Die Überzeugung, das Wort vom Sinai sei nicht für Israel allein verkündet worden, ist nach wie vor im Glauben der Juden lebendig. (Gradwohl)
  • Alle Gebote sind an den einzelnen Menschen gerichtet, daher steht der Imperativ immer im Singular. (Gradwohl)
  • Die ersten beiden Gebote sprechen in direkter Rede, die übrigen immer in indirekter. (Gradwohl)
  • Nicht auf die bloße Herausführung aus dem Land Ägypten ist es Gott angekommen, sondern dass Israel von einem menschlichen Joch frei werden sollte – frei für Ihn und Seinen Dienst. „Aus dem Haus der Knechte“ will sagen, dass ihr Meine Knechte seid. (Jakob in Gradwohl)
  • Fundament der Fundamente und Säule der Weisheiten ist das Wissen um ein erstes Wesen, das alles Bestehende hervorbringt. Was sich im Himmel und auf Erden und zwischen ihnen findet, besteht nur Seinetwegen. (Gradwohl)
  • Untersagt sind (a) der Besitz von Göttern, (b) deren Herstellung und (c) deren Verehrung. Dabei gilt zugleich: (a) ist verboten auch ohne (b) und (c); (b) ist verboten auch ohne (a) und (c) und (c) ist verboten auch ohne (a) und (b). (Gradwohl)
  • Gott – ein „eifernder (engagierter) Gott (5) – wird den Irrweg nicht dulden. (Gradwohl)
  • Gottes „Eifer“ bildet nicht die Norm: In der ganzen Thora und in allen Prophetenbüchern kommt „Eifer(sucht) nur beim Götzendienst vor. (Nachmanides in Gradwohl)
  • So du Mir gehorchst, werden Meine Gaben dir zeigen, wie sehr Ich dich liebe. So du Mir nicht gehorchst, werden Meine Strafen dir zeigen, wie sehr Ich dich liebe. (Fleg in Gradwohl)
  • Primär ist die Verwendung des Gottesnamens zu einer Lüge, zur Zauberei und Beschwörung verboten (7). Die Tradition sieht im Gesetz aber auch das „unnütze“ Aussprechen des Gottesnamens, J-H-W-H mit seinen vier Buchstaben, außerhalb des Tempelgottesdienstes als verboten an. (Gradwohl)
  • Was muss Israel tun, was muss es lassen, um den vom Schöpfer eingesetzten Ruhetag zu „heiligen“? Geboten sind am Sabbat die Arbeitsruhe (2Mo20,8-11; 5Mo 5,12-15), Opfer (4Mo 28,9f; Hes 46,12) und Gebet (Ps 92,1), das Studium der Lehre (2Kön 4,23), kurz: der „Genuß“ des Sabbats (Jes 58,13). Verboten ist die Arbeit (2Mo20,10; 5Mo 5,14): die Tätigkeit auf dem Feld (2Mo34,21), wie Pflügen und Ernten oder das Ausreißen von Stoppeln (4Mo 15,32), der Handel und Wandel (Amos 8,5; Neh 10,32), das Tragen von Lasten (Jer 17,21f.24.27; Neh 13,15), kurz: „das Tun deiner Geschäfte“ (Jes 58,13). Untersagt ist insbesondere das Produzieren von Feuer (2Mo 35,3) – Prototyp der schöpferischen Tätigkeit. (Gradwohl)
  • Es genügt nicht, dass am Sabbat die Arbeit unterbrochen wird. Der Sabbat wird aktiv „geheiligt“ durch Bräuche des „Gedenkens“. (Gradwohl)
  • Der Sabbat kann nur dann seine volle Schönheit ausstrahlen, wenn ihm sechs Arbeitstage vorausgegangen sind. (Gradwohl)
  • Wie die Ruhe am Sabbat ist die Arbeit an den Wochentagen ein Segen. (Gradwohl)
  • Durch den Sabbat brechen die sozialen Schranken, die der Arbeitgeber während der Woche aufrichtet. … Am Sabbat gibt es keinen Arbeitgeber und keine Arbeitnehmer mehr, keine Herren und keine Knechte, es gibt nur noch freie Menschen – frei für Gott, frei für sich und den Nebenmenschen. (Gradwohl)
  • Der Sabbat ist eigentlich für die sozial Schwachen erlassen worden. Die Starken gönnen sich ohnehin Tage der Ruhe. (Gradwohl)
  • Weil der Sabbat für den Menschen als Gottes Geschenk eingesetzt ist, wird er bei der Gefährdung von Gesundheit und Leben – und nur dann! – entweiht. Das talmudische Prinzip gilt bis heute: Lebensgefahr verdrängt den Sabbat. (Gradwohl)
  • Ehre (12) und Ehrfurcht sind nicht dasselbe: Ehre ist ein Gefühl der Wertschätzung und der Liebe; Ehrfurcht ein Gefühl des Respekts. (Gradwohl)
  • Die Eltern sind Menschen und gehören deshalb in den Rahmen der „deinem Nächsten“ (17) zugeordneten Gesetze. Zum anderen sind sie mit dem Schöpfer bei der Erschaffung eines Menschen ‚beteiligt‘“.(Gradwohl)
  • Ehebruch (14) nimmt dem Menschen gleichsam ein Stück seiner selbst, aber er bringt ihn nicht um. (Gradwohl)
  • In der polygamen Gesellschaft der biblischen Zeit kann der Mann nur die fremde Ehe, die verheiratete Frau nur die eigene Ehe brechen. (Gradwohl)
  • Nicht stehlen (15) bezog sich auf Menschenraub, nicht auf gewöhnlichen Diebstahl von Besitz. … Wie „Morde nicht!“ und „Brich die Ehe nicht!“ mit dem Tode bestraft wird,, so auch der Diebstahl (und dies ist nur beim Menschenraub der Fall, 2Mo 21,16) (Gradwohl)
  • Nicht zufällig wird „falschen Zeugen“ das angetan, „was sie (einem Unschuldigen) anzutun gedachten“ (5Mo 19,19.21) (Gradwohl)
  • „Begehre nicht!“ (17) – Kein menschliches Gericht kann die „Begehrlichkeit“ des Herzens bestrafen. Bestraft wird erst die Tat des Sich-Vergreifens am fremden Besitz. (Gradwohl)
  • Moralisch ist die Gier des Herzens untersagt. Sie mag dazu führen, „dass ein Reicher einem Armen Geld ausleiht, damit er sich des Hauses des Armen bemächtigen kann, falls dieser den Betrag nicht zurückerstattet. (El’asar in Gradwohl)
  • Wie soll man eine schöne Sache nicht begehren? Ich erkläre das Verbot durch einen Vergleich: Wie ein kluger Dorfbewohner eine schöne Prinzessin nicht begehrt, weil er weiß, dass sie ihm nie gehören wird – all seine Klugheit trägt sie ihm nicht zu! -, so begehre man nicht, was einem andern gehört. Jeder besitzt, was Gott ihm zuteilt, und er freue sich mit seinem Teil. (Ibn Esra in Gradwohl)
  • Das Verbotene sei dir unerreichbar. Das Unerreichbare begehrt das Herz nicht. (Sforno in Gradwohl)
  • Mit dem Wort „deines Nächsten“ (17) schließt der Dekalog! (Gradwohl)
  • Die Gebote Gott gegenüber sind zuerst genannt, weil die Verantwortung des Menschen zu Gott gewährleistet, dass die Pflichten im mitmenschlichen Verhältnis beachtet werden. (Gradwohl)
  • Wenn die Begehrlichkeit nicht mehr dominiert, nimmt jeder auf die Interessen und die legitimen Ansprüche des Anderen Rücksicht. (Gradwohl)
  • Gott und der Nächste sind das A und das O biblischer Ethik, die im Zehnwort vom Sinai für immer gültig bleibt. (Gradwohl)
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